Donnerstag, 13.08.2026
Welche Konsequenz hätte es für mein Leben, wenn ich heute erkennen würde, dass alle Entscheidungen, die ich bisher getroffen habe und zukünftig treffen werde, auf irgendeine Art und Weise richtig für mich waren und keine Gefahr besteht, zu scheitern oder gering zu sein?
Thursday, 08/13/2026
What impact would it have on my life if I were to realise today that all the decisions I have made so far, and will make in the future, were in some way right for me, and that there is no risk of failure or of them being insignificant?
Freitag, 14.08.2026
Ich habe eine Nacht über die Frage geschlafen. Ich denke, die Frage bringt ein Bedürfnis zum Ausdruck: Sicherheit (hier: Sicherheit, keine Fehler zu machen und seine Zeit nicht mit falschen Entscheidungen zu vergeuden; nicht irgendwann aufzuwachen und feststellen, dass manche Entscheidungen eine Sackgasse waren).
So nachvollziehbar das menschliche Bedürfnis nach Sicherheit ist, so fehlgehend ist auch die Fragestellung.
Wovon träumt ihr, wenn ihr an Sicherheit denkt? 10 Mio. USD auf einem eigenen Auslandskonto? Ein eigenes Haus? Ein Orakel, dass einem die Zukunft voraussagt? Oder Gewissheit, die eigene begrenzte Zeit sinnvoll genutzt zu haben?
Ich persönlich bin getrieben von Gedanken daran, meine eigene Zeit falsch zu nutzen und nichts wirklich Existentielles mit ihr anzufangen. Der Alltag fühlt sich oft lauwarm an. Er ist absolut ok mit Ausnahme dessen, dass sich mir Sinnfragen aufdrägen. Ist es richtig, hier den ganzen Tag in einem Büro zu sitzen und mich mit Problemen anderer Leute zu beschäftigen (die es sich finanziell leisten können, dass andere (ich) über die Lösung ihrer Probleme nachdenken).
Anders als matrielle Dinge (Geld, Haus, etc.), die aus meiner Sicht allesamt keine wirkliche Sicherheit bieten können, dürfte doch die Gewissheit, seine Zeit sinnvoll für sich und für andere zu nutzen, sehr wohl Sicherheit geben – einfach weil die eigene Zeit als sinnvoll empfunden wird. Wie quälend ist dagegen das Gefühl, die eigene Zeit zu vergeuden und wie unbequem ist die Erkenntnis, dem eigenen Sinn nicht mit aller Kraft nachzugehen und sich in einem selbst gebauten Konstrukt von externen „Sicherheiten“ zu bewegen. Mit jedem Tag, den ich in weiterer Unentschlossenheit vergehen lasse, wächst ein Druck in mir, der sich nicht wie ein Warnsignal anfühlt, sondern wie eine schleichende Krankheit.
Würde ich wirklich positiv wissen, dass meine Entscheidungen immer richtig waren und richtig sein werden, so wäre mir doch in keiner Hinsicht geholfen, außer dass ich in meine Bequemlichkeit zurückkehren dürfte und den Dingen ihren Lauf ließe. Ich würde gut schlafen, gewiss. Aber vielleicht würde sich nach wenigen Wochen eine andere Stimme melden. Eine, die mir sagt, dass ihr langweilig ist, eben weil alle Entscheidungen richtig sind und sein werden. Wenn ich mein eigenes Scheitern kategorisch und vollumfänglich ausschließen könnte, wozu würde ich am langen Ende eigentlich noch morgens aus dem Bett aufstehen? Wir brauchen doch irgendwie das Risiko des Scheiterns, wir brauchen Ungewissheit und Druck, einfach um uns fortzubewegen. Ist denn die Richtung, in die wir gehen, nicht zweitrangig?
Die Stoiker gehen hier einen sehr mutigen Weg. Ihrer Ansicht nach ist die Frage, ob Entscheidungen richtig waren, schon deswegen falsch, weil es kein „richtig“ gibt. „Richtig“ ist subjektive Moral. Das Kind, das den Erwartungen der Eltern entspricht, handel „richtig“. Oder war die dringend anstehende Operation „richtig“, um mein Leben zu verlängern oder erträglicher zu machen.
„Richtig“ ist die bessere Entscheidung zu mehreren Möglichkeiten. Wer beurteilt, was die bessere Entscheidung ist? Natürlich niemand außer wir selbst. Und warum ist es uns so dermaßen wichtig, „richtig“ zu handeln? Weil wir „falsche“ Entscheidungen bereuen und uns schwer damit tun, sie zu akzeptieren.
Es geht doch also bei den Kriterien „richtig“ und „falsch“ ausschließlich darum, nicht mit getroffenen Entscheidungen zu hadern und uns zu schonen. Aber wie häufig hattet ihr wirklich das Gefühl, eine „richtige“ Entscheidung getroffen zu haben? Nie, zweimal im Leben, hundert mal? In Anbetracht der Tatsache, dass wir täglich tausende von Entscheidungen treffen (Austehen, Duschen, Arbeiten, Essen, Trinken, Freunde treffen, Treffen absagen und Ausreden überlegen) wirkt der ganze Aufwand, den wir mit unseren Entscheidungen betreiben, und das riesige Bedürfnis nach Sicherheit, die die Entscheidungen bringen sollen, doch vollkommen übertrieben.
Stoizimus verbietet quasi, eine Entscheidung mit „richtig“ oder „falsch“ zu bewerten. Es verlangt Akzeptanz für uns und für unsere Situation, egal wie sie ausfällt. Grübeln zu Entscheidungen ist die gravierende Zeitverschwendung, und nicht die „falsche“ Entscheidung. Nachdenken über sich selbst und seine Umwelt dient ausschließlich zur Vorbereitung auf konkrete Handlungen.
Ich überdenke die Konsquenzen einer Handlung und entscheide, ob ich die Konsequenzen zukünftig wünsche oder mit ihnen leben kann. Wenn dem nicht so ist, dann lasse ich die Handlung. Oder ich sehe darin einen Nutzen und handle entsprechend. Es ist nicht mehr als das.
Schlussendlich müssen wir alle akzeptieren, dass unsere Zeit endlich ist und wir sind angehalten, unsere begrenzte Zeit sinnvoll zu nutzen. Eine Entscheidung, die wir nicht mehr tragen wollen, nehmen wir zurück, falls das geht; ansonsten müssen wir sie akzeptieren. Allerdings gibt uns die Zeit, die wir gedanklich mit solchen Entscheidungen verbringen, niemand zurück und deswegen ist und sind wir angehalten, unser Leben durch das Sinnieren über unsere Entscheidungen nicht erst sinnlos werden zu lassen.
Friday, 14 August 2026
I slept on the question overnight. I think the question expresses a need: security (in this case: the security of not making mistakes and not wasting one’s time on the wrong decisions; of not waking up one day to realise that some decisions were dead ends).
As understandable as the human need for security is, the question itself is misguided.
What do you dream of when you think of security? 10 million USD in your own overseas bank account? A house of your own? An oracle that predicts the future? Or the certainty that you have used your own limited time wisely?
Personally, I’m driven by the thought of misusing my own time and failing to do anything truly meaningful with it. Everyday life often feels lukewarm. It’s perfectly fine, except that questions of meaning keep niggling at me. Is it right to sit here all day in an office, dealing with other people’s problems (people who can afford, financially, to have others – me – think about solutions to their problems)?
Unlike material possessions (money, a house, etc.), which, in my view, cannot offer any real sense of security, the certainty of using one’s time meaningfully for oneself and for others is likely to provide a real sense of security – simply because one’s own time is perceived as meaningful. How agonising, by contrast, is the feeling of wasting one’s own time, and how uncomfortable is the realisation that one is not pursuing one’s own purpose with all one’s might, but is instead moving within a self-constructed framework of external ‘certainties’. With every day that I let slip by in further indecision, a pressure grows within me that does not feel like a warning signal, but rather like a creeping illness.
If I were absolutely certain that my decisions had always been right and would always be right, it wouldn’t help me in the slightest, except that I might be able to slip back into my comfort zone and let things take their course. I’d sleep well, no doubt. But perhaps after a few weeks, another voice would speak up. One that tells me it’s bored, precisely because all decisions are and will be right. If I could categorically and completely rule out my own failure, why on earth would I even get out of bed in the morning in the long run? After all, we need the risk of failure in some way; we need uncertainty and pressure simply to keep moving forward. Isn’t the direction we’re heading in secondary?
The Stoics take a very bold stance here. In their view, the question of whether decisions were ‘right’ is misguided simply because there is no such thing as ‘right’. ‘Right’ is subjective morality. The child who meets their parents’ expectations is acting ‘rightly’. Or was the urgently needed operation ‘right’ to prolong my life or make it more bearable?
‘Right’ is the better decision out of several possibilities. Who judges what the better decision is? Of course, no one but ourselves. And why is it so incredibly important to us to act ‘right’? Because we regret ‘wrong’ decisions and find it hard to accept them.
So, when it comes to the criteria of ‘right’ and ‘wrong’, it’s really just about not agonising over the decisions we’ve made and being kind to ourselves. But how often have you actually felt that you’d made the ‘right’ decision? Never, twice in your life, a hundred times? Given that we make thousands of decisions every day (going out, having a shower, working, eating, drinking, meeting friends, cancelling meetings and coming up with excuses), all the effort we put into our decisions – and the immense need for certainty that these decisions are supposed to provide – seems completely exaggerated.
Stoicism effectively forbids judging a decision as ‘right’ or ‘wrong’. It demands acceptance of ourselves and our situation, whatever the outcome. Dwelling on decisions is the serious waste of time, not the ‘wrong’ decision itself. Reflecting on oneself and one’s surroundings serves solely to prepare for concrete actions.
I consider the consequences of an action and decide whether I want those consequences in the future or whether I can live with them. If that is not the case, then I refrain from the action. Or I see a benefit in it and act accordingly. It is nothing more than that.
Ultimately, we must all accept that our time is finite and that we are called upon to make good use of our limited time. If possible, we should reverse any decision we no longer wish to stand by; otherwise, we must accept it. However, no one can give us back the time we spend mulling over such decisions, and that is why we are urged not to let our lives become meaningless simply by dwelling on our dec
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