Salve!

  • Wenn Kinder streiten

    When children argue

    20.03.2026

    Meine Partnerin und ich trinken morgens immer gemeinsam eine Tasse Kaffee und reden, bevor wir zur Arbeit gehen. Dies ist auch die Zeit, in der es bei uns mal zum Streit kommen kann, wahrscheinlich weil wir morgens beide unsere Ruhe brauchen. Gestern morgen kam es zum Streit und ich verlies die Wohnung und knallte die Tür. Es hing mir den ganzen Tag nach. Und auch heute morgen waren wir beide noch in Lauerstellung. Ich konnte dabei etwas beobachten. Ein falsches Wort von ihr, und mein Abwehrsystem springt an. Es beginnt eine Abwärtsspirale und die Fronten verhärten sich. Eigentlich hätte ich heute morgen zu ihr sagen wollen, dass ich mich auf das Wochenende mit ihr und gemeinsame Unternehmumgen freue. Dann bekam ich ein Wort von ihr in den falschen Hals, eine Geste passte mir nicht, und so sagte ich Dinge wie: „Am Wochenende verbringe ich etwas Zeit für mich“. Mir war das Gespräch zuviel, ich war im Fluchtmodus, und ich wollte sie bestrafen. Dabei hatte ich zuvor ganz anderes im Sinn.

    Ich frage mich, warum es manchmal so schwierg ist, in einer Partnerschaft offen und „verfügbar“ zu bleiben. Auch heute noch bin ich das trotzig, verletzte und flüchtende Kind, wenn es mal schwieriger wird. Gleiches kann ich an meiner Partnerin beobachten. Am Ende sitzen da zwei Kinder, die ihre alten Konflikte austragen. Und das ist sehr destruktiv, insbesondere wenn unterschiedliche Schutzmechanismen am Werk sind.

    Eine Paartherapie habe ich mehrfach angesprochen, aber es ist bisher immer im Sande verlaufen.

    Epiktet sagt: „Beleidigungen treffen dich nicht. Nicht wer dich beschimpft, verletzt dich, sondern nur deine Meinung, dass diese Leute dich verletzen. Wenn dich also jemand reizt, so wisse, dass es deine eigene Vorstellung ist, die dich gereizt hat“ – Handbüchlein der Moral, Ziffer 20.

    Und so ist es auch. Meine Partnerin möchte mich nicht verletzen, sie ficht eigentlich ihren eigenen Kampf. Und ich reagiere verletzt, weil mich in meiner kindlichen Vorstellung niemand verletzen darf und jedes falsche Wort von ihr auf mich verletzend wirkt (obwohl sie meistens gar nicht die Absicht hat, mir bewusst weh zu tun).

    Es ist mein altes Programm, was immer und immer wieder dieselben Bewertungen vornimmt: „Du musst Dich schützen, Du bist in Gefahr, Du musst fliehen„. Herrgott, wenn ich weiterhin so denke, dann ist eine Partnerschaft für mich doch leider nur eine Wiederholung von alten Mustern und Verletzungen. Dabei kann eine Partnerschaft doch sicherlich wundervoll sein, wenn beide diese alten Programme hinter sich lassen.

    Ich liebe meine Partnerin, sehr sogar. Und sicherlich ist die Gefahr, verletzt zu werden, deswegen besonders hoch für mich. Aber wenn ich immer meinem alten Programm Glauben schenke und mich destruktiv verhalte, dann gibt es irgendwann diese Partnerschaft nicht mehr und ich hätte etwas verloren, was mir mehr am Herzen liegt als alles Andere.

    Und auch hier greift ein altes Muster: die Verlustangst.

    Ich wünschte, in Konflikten könnte ich erwachsen sein.

    My partner and I always have a cup of coffee together in the morning and have a chat before we go to work. This is also the time when we sometimes end up arguing, probably because we both need our peace and quiet in the morning. Yesterday morning we had an argument and I left the flat, slamming the door behind me. It weighed on my mind all day. And even this morning, we were both still on edge. I noticed something. One wrong word from her, and my defences kick in. A downward spiral begins and the lines harden. Actually, I’d wanted to tell her this morning that I was looking forward to the weekend with her and doing things together. Then I took one of her words the wrong way, a gesture didn’t sit right with me, and so I said things like: ‘I’m going to spend some time on my own this weekend’. The conversation was too much for me; I was in escape mode, and I wanted to punish her. Yet I’d had something completely different in mind beforehand.

    I wonder why it’s sometimes so difficult to remain open and ‘accessible’ in a relationship. Even now, when things get tough, I’m still that defiant, hurt and retreating child. I can see the same thing in my partner. In the end, there are two children sitting there, re-enacting their old conflicts. And that’s very destructive, especially when different defence mechanisms are at play.

    I have brought up couples therapy several times, but so far it has always come to nothing.

    Epictetus says: “Insults do not affect you. It is not the person who insults you who hurts you, but only your belief that these people are hurting you. So if someone provokes you, know that it is your own perception that has provoked you” – Enchiridion, section 20.

    And that’s exactly how it is. My partner doesn’t want to hurt me; she’s actually fighting her own battle. And I react as if I’ve been hurt because, in my childish mind, nobody is allowed to hurt me, and every wrong word she utters feels hurtful to me (even though she usually has no intention of deliberately hurting me).

    It’s my old mindset that keeps making the same judgements over and over again: “You must protect yourself, you’re in danger, you must flee.” Goodness, if I carry on thinking like this, then a relationship is, sadly, just a repetition of old patterns and hurts for me. Yet a relationship can surely be wonderful if both of us leave these old patterns behind.

    I love my partner, very much indeed. And surely that’s why the risk of being hurt is particularly high for me. But if I always give credence to my old programming and behave destructively, then at some point this relationship will no longer exist and I will have lost something that is dearer to me than anything else.

    And here, too, an old pattern comes into play: the fear of loss.

    I wish I could be mature in conflicts.

  • Idealisierung braucht Resonanz

    Idealisation needs resonance

    19.03.2026

    Als Kind habe hatte ich häufig Tagträume, in denen ich mir vorstellte, ich wäre besonders. Wenn ich z.B. für mich allein Körbe warf (Basketball), dann stellte ich mir dabei vor, ich wäre erwachsen und würde in einem Spiel gegen Fremde als „Underdog“ starten und dann wie durch eine Initialzünding alle Spieler und Zuschauer begeistern von meinen Fähigkeiten. Jeder Dreier ein Treffer, spektakuläre Dribblings, tobende und applaudierende Menschen, Anerkennung.

    Heute mache ich das immer noch. Ich träume von großem Erfolg und von Anerkennung. Aber ich idealisiere auch andere Personen, meine Partnerin zum Beispiel. Ich habe sie lange Zeit auf einen Tron gestellt, weil sie so klug und für mich beeindruckend ist. Es gab Zeiten, da hätte ich alles für sie gemacht. An meinen Gefühlen zu ihr hat sich seitdem nichts verändert, aber ich musste irgendwann diesen Tron, den ich selbst erstellt hatte, niederreißen.

    Diese Vorgänge von Idealisierung und Entwertung passieren losgelöst von unserem inneren Kern. Es besteht keine wirklich Resonanz zu uns selbst. Wenn ich davon träume, mit einer noch unentdeckten Begabung viele Leute zu begeistern, dann schaue ich innerlich eigentlich über eine Leere bzw. einen blinden Fleck hinweg, dem ich mich eigentlich mit aller Aufmerksamkeit widmen sollte. Der blinde Fleck ist so ewtas wie ein im Stich gelassenes Stück selbst von mir. Es ist das „innere Kind“, dass sich nicht gewertschätz und gesehen fühlt, und es träumt deswegen vor sich hin, um den erlittenen Schmerz nicht mehr zu spüren. Die erträumte Anerkennung von Außen soll diesen Schmerz ausgleichen, ohne dazu in richtiger Resonanz zu stehen.

    Resonanz bedeutet in dem Fall, dass ich diese unangenehmen, kindlichen und verdrängten Gefühle von damals zulasse und lerne, mit ihnen umzugehen. Ich muss ihnen Raum geben, ohne darunter zu leiden. So können sie ein Teil meiner Gesamtheit werden. Wenn das gelingt, dann braucht das „innere Kind“ nicht träumen und brauche ich keine Idealisierung (und Abwertung) mehr.

    Heute stelle ich mir oft vor, ich stünde als Vater neben meinem jungen Ich, das Körbe wirft und von Anerkennung träumt. Und der kleine Junge träumt nicht mehr, sondern er will nur noch die Anerkennung von seinem Vater. Nicht für die tollen Würfe, sondern einfach so, weil er so ist, wie er ist. In solchen Momenten spüre ich Resonanz und der kleine Junge für diesen Moment alles, was er braucht.

    Wie geht Ihr mit Idealisierung um?

    As a child, I often daydreamed that I was special. For example, when I was practising shooting hoops on my own (basketball), I’d imagine I was an adult, starting as the ‘underdog’ in a match against strangers, and then, as if by magic, wowing all the players and spectators with my skills. Every three-pointer a success, spectacular dribbling, people cheering and applauding, recognition.

    I still do that today. I dream of great success and recognition. But I also idealise other people, my partner for example. For a long time, I put her on a pedestal because she is so clever and impressive to me. There were times when I would have done anything for her. My feelings for her haven’t changed since then, but at some point I had to tear down that pedestal I had built myself.

    These processes of idealisation and devaluation occur in isolation from our inner core. There is no real connection to our true selves. When I dream of inspiring many people with a talent I have yet to discover, I am actually looking past an inner void – or a blind spot – to which I should really be devoting my full attention. This blind spot is something like a part of myself that has been abandoned. It is the ‘inner child’ that does not feel valued or seen, and so it drifts off into daydreams to avoid feeling the pain it has suffered. The imagined external recognition is meant to compensate for this pain, without truly resonating with it.

    In this case, resonance means that I allow these unpleasant, childlike and repressed feelings from back then to surface and learn to deal with them. I must give them space without suffering as a result. In this way, they can become part of my wholeness. If this succeeds, then the ‘inner child’ no longer needs to dream, and I no longer need idealisation (or devaluation).

    Today, I often imagine myself standing as a father beside my younger self, who is shooting hoops and dreaming of recognition. And the little boy is no longer dreaming; he simply wants his father’s recognition. Not for the great shots, but simply because he is who he is. In moments like these, I feel a resonance, and the little boy has everything he needs for that moment.

    How do you deal with idealisation?

  • Neid ist eine Aufgabe an uns selbst

    Envy is a challenge we set ourselves

    18.03.2026

    Habt Ihr auch Personen in Eurem Umfeld, die Euch Eurer Glück, Euren Status, Euren Besitz, Euren Erfolg oder auch einfach Eure freundliche Art nicht gönnen?

    Ich habe so einen Neider in meinem Umfeld. Und ehrlich gesagt gibt es auch hin und wieder Personen, auf die ich neidisch bin.

    Neid ist ein schwieriges, unangenehmes Gefühl, weil es bei unseren Schwächen ansetzt und sie im Brennglas offenlegt. Wir vergleichen uns und ziehen dabei stets den Kürzeren. Die Welt wird dann schnell ungerecht und wir wünschen dem Beneideten alles an den Hals. Neid fühlt sich für uns schlimmer an als Wut, weil er uns noch kleiner im Selbst werden lässt. Wir reduzieren uns selbst auf die Größe eines Sandkorns und erheben den Beneideten zu einer Gottheit; vollkommen unterbewusst und in Sekundenschnelle.

    Der Umgang mit meinem eigenen Neid ist für mich ähnlich schwierig wie mit Neidern. Meinen eigenen Neid konnte ich nie offen ansprechen, dafür war meine Scham zu groß. Und fremden Neid auf mich habe ich meilenweit gegen den Wind gerochen und bin dann stets in eine unterwürfige Position gegangen, um den Neider zu besänftigen, so dass er seine Wut nicht an mir auslasse.

    Neider sind passiv-agressiv. Sie können einfach nicht von Herzen gönnen. Selbst Lob des Neiders ist mit Kritik und dem Bemühen der Abwertung verbunden . Dahinter steckt die Ansicht, im eigenen Leben zu kurz gekommen zu sein.

    Mein Neider beobachtet mich und er wartet auf Fehler, an denen er sich hochziehen kann. Und ich, weil ich dem Neider keine Genugtuung geben wollte, habe immer alles versucht, damit keine Fehler passieren. Und so fühlte sich in unserer Beziehung immer einer von beiden schlecht: hatte ich Erfolg, dann fühlte ich einerseits so etwas wie Genugtuung ihm gegenüber, dafür drohte mir aber auch Ungemach, weil er daran litt. Und beging ich Fehler, dann war es seine Genugtuung, unter der ich dann litt.

    Beziehungen können schädlich bis toxisch sein. Es fragt sich, weshalb solche Konstellationen über Jahre hinweg aufrecht erhalten werden. Es liegt meines Erachtes daran, dass wir das Spiel für uns annehmen. Wir sagen uns: Du tust mir Unrecht, indem du neidisch bist, und das schmerzt mich. Deswegen zeige ich dir jetzt einmal, was Schmerz ist und lasse Dich ebenfalls leiden. Wir übersehen dabei aber, dass der Neider derjenige ist, der im Ausgangspunkt gelitten hat.

    Wie geht man nun mit eigenem Neid und Neidern um? Auf Beides gibt Epiktet eine Antwort: Neid heißt Begehren und Begehren heißt Unglück. Wir müssen aufhören zu begehren, was gegen die Natur ist und was wir eigentlich begehren sollten (innere Freiheit), davon haben wir oftmals keinen rechten Begriff.

    Wir machen uns unfrei, wenn wir Dinge begehren, die nicht in uns selbst liegen. Bewerte den anderen nicht nach dem, was Du neidest. Du neidest nicht ihn in Person, sondern „nur“ seinen Besitz oder Erfolg. Schau dir an, welchen Preis der andere dafür bezahlt hat. Willst Du das auch? Willst Du diesen Preis zahlen? Falls ja, so tue es selbst. Falls nicht, so finde dich damit ab, dass du auf etwas neidisch bist, zu dem Du aber nicht bereit bist den Preis zu zahlen, und las es los.

    Und was kann ich mir davon kaufen, wenn andere auf mich neidisch sind? Wieviel Wert hat fremder Neid für mich? Wie hoch ist der Preis, den ich zu zahlen habe dafür, dass andere neidisch auf mich sind und wie abhängig mache ich mich von den anderen, wenn es mir nur darauf ankommt, deren Neid zu erhalten. Die andere Person kann mir binnen Sekunde ihren Neid entziehen, auf den ich aus bin, und all meine Bemühungen und Anstrengungen, die nicht mir selbst galten, sondern dem Anderen, waren umsonst. Ist das nicht eine unglaubliche Verschwendung an eigener Lebenszeit, die wir für die Erreichung von eigenen Bedürfnisse und Ziele einsetzen könnten?

    Wenn Du das nächste mal neidisch bist und für dich erwogen hast, den Preis zahlen zu wollen, so frag den Beneideten, wie er es angestellt hat, ansonsten schweig. Und wenn du das nächste mal auf Genugtuung und fremden Neid aus bist, so frag dich, wie hoch der Preis ist, und ob du dadurch wirklich glücklicher wirst, wenn du all deine Kraft investierst, um die Genugtuung zu bekommen.

    Neid ist keine Charakterschwäche, es ist eine Aufgabe an uns selbst. Und ich, der sich gern im Neid der anderen gebadet hat, gestehe mir ein, dass dieses von mir inszenierte Theaterstück in jeder Hinsicht zu meinem eigenen Nachteil war. Mein Neider hat schlichtweg seine eigene Aufgabe im Umgang mit sich selbst nicht bestanden und ich kann unter diesem Blinkwinkel im Ansatz keine Genugtuung mehr für mich erkennen.

    Do you also have people in your circle who begrudge you your happiness, your status, your possessions, your success, or even just your friendly nature?

    I have someone like that in my circle. And to be honest, there are also people I feel envious of from time to time.

    Envy is a difficult, unpleasant feeling because it preys on our weaknesses and lays them bare under a magnifying glass. We compare ourselves and always come off worse. The world then quickly seems unfair and we wish the envied person all sorts of misfortune. Envy feels worse to us than anger because it makes us feel even smaller within ourselves. We reduce ourselves to the size of a grain of sand and elevate the object of our envy to the status of a deity; completely subconsciously and in a matter of seconds.

    Dealing with my own envy is just as difficult for me as dealing with envious people. I have never been able to address my own envy openly; my shame was too great for that. And I could smell others’ envy of me a mile off, and would then always assume a submissive position to appease the envious person, so that they would not take their anger out on me.

    Envious people are passive-aggressive. They simply cannot be genuinely happy for others. Even praise from the envious person is laced with criticism and an attempt to belittle. Behind this lies the belief that they have been short-changed in their own lives.

    My envious friend watches me and waits for mistakes he can use to his advantage. And I, not wanting to give him any satisfaction, always did everything I could to ensure no mistakes were made. And so, in our relationship, one of us always felt bad: if I succeeded, on the one hand I felt a sense of satisfaction towards him, but on the other hand I faced trouble because he suffered as a result. And if I made mistakes, it was his satisfaction that I then suffered under.

    Relationships can be harmful or even toxic. The question is why such dynamics are maintained over the years. In my view, it is because we accept the game on our own terms. We tell ourselves: You are wronging me by being envious, and that hurts me. That is why I will now show you what pain is and make you suffer too. In doing so, however, we overlook the fact that the envious person is the one who suffered in the first place.

    So how does one deal with one’s own envy and with envious people? Epictetus provides an answer to both: envy means desire, and desire means unhappiness. We must stop desiring what is against nature, and as for what we should actually desire (inner freedom), we often have no real grasp of it.

    We rob ourselves of our freedom when we covet things that do not lie within ourselves. Do not judge others by what you envy. You do not envy them as people, but ‘only’ their possessions or success. Look at the price the other person has paid for it. Do you want that too? Are you willing to pay that price? If so, go ahead and do it yourself. If not, accept that you are envious of something for which you are not prepared to pay the price, and let it go.

    And what can I gain from it if others are envious of me? How much is someone else’s envy worth to me? How high is the price I have to pay for others to be envious of me, and how dependent do I make myself on others if all I care about is maintaining their envy? The other person can withdraw their envy – which I am after – in a matter of seconds, and all my efforts and exertions, which were not directed at myself but at the other person, will have been in vain. Isn’t that an incredible waste of one’s own lifetime, which we could be using to fulfil our own needs and goals?

    The next time you feel envious and have considered paying the price for it, ask the person you envy how they managed it; otherwise, keep quiet. And the next time you are seeking satisfaction and the envy of others, ask yourself what the price is, and whether you will truly be happier by investing all your energy in seeking that satisfaction.

    Envy is not a weakness of character; it is a challenge we set ourselves. And I, who used to revel in the envy of others, admit to myself that this charade I staged was, in every respect, to my own detriment. My envious friend has simply failed to meet the challenge of dealing with itself, and from this perspective, I can no longer see any satisfaction in it whatsoever.

  • Warum so kompliziert?

    Why so complicated?

    16.03.2026

    In meiner Beziehung kann ich überaus kompliziert sein. Habe ich einen konkreten Wunsch, etwa Zeit für mich allein zu verbringen für einen Tag, dann fällt es mir bereits schwer, den Wunsch offen zu äußern. Äußere ich ihn, dann verpacke ich ihn gleich in einen mundgerechten Happen für meine Partnerin in der Erwartung, ihn leichter verdaulich zu machen. Die eigentliche Kernaussage wird dann kombiniert mit endlosen Begleitsätzen zur eigenen Rechtfertigung wie: „du weißt ja, dass ich an mir arbeiten möchte, und ich habe das Gefühl, dass mir Zeit für mich allein dafür ganz hilfreich sein könnte. Wärest Du also einverstanden wenn…? Es ist natürlich kein Problem, wenn Du ein Problem damit hast (dann würde ich nämlich hier bleiben)„. Dahinter steckt die Angst, meine Partnerin könnte mein Anliegen als Affront gegen sich bzw. als Kritik an ihrer Person bewerten und dass sie der Grund sei, weshalb ich Tage für mich (zur Erholung von ihr) brauche. Ich habe Angst, ihre Gefühle zu verletzen, wenn ich meinen Wunsch offen und direkt und vor allem unerklärt und ungeschönt äußere. Dass ich vorrangig Zeit für mich verbringen möchte, steht dabei auf einem anderen Blatt.

    Mein Radar erkennt in solchen Situationen alle Gefahrenquellen und lange Zeit vor dem tatsächlichen Gespräch wird alles im Kopf abgewogen, vermengt, und ausbalanciert. Am Ende findet dann ein einseitiges, von mir geführtes Gespräch mit meiner Partnerin statt, in dem ich alle denkbaren Rollen einnehme und vertrete, Kompromisse ohne Not anbiete und vermeintlich verletzte Gefühle von Anfang an balsamieren möchte, um bloß niemanden auf die Füße zu treten.

    Und so ist mein Leben ein Eiertanz zwischen eigenen Wünschen und Bedürfnissen einerseits und meinem Hang, mich von den Gefühlen und Erwartungen meiner Partnerin abhängig zu machen. Mit Absatnd betrachtet kann sich so keine erfüllte Beziehung entwickeln.

    Das aktive Sich-Hineinbringen in die eigene Beziehung in Form der Äußerung von eigenen Wünschen, Bedürfnissen und Ansprüchen an den Partner und in Form der Beziehungsgestaltung ist ein Kernproblem des Nice Guys. Hier scheinen ihm tausende von Gefahren zu drohen: Ablehnung, Kritik, Zurechtweisung, weil eigene Themen kommuniziert werden. Der Nice Guy erfüllt gerne Erwartungen und ordnet sich unter. Und das aus gutem Grund: früher, in seiner Beziehung zu den Eltern (vorrangig zur Mutter) wurden die eigenen Bedürfnisse des Nicey Guys nicht gefördert und hat er nicht gelernt, sie aktiv zu kommunizieren und einzufordern.

    Wichtig für mein eigenes Verständnis ist, dass meine Partnerin nicht meine Mutter ist. Mein inneres Kind muss keine Erwartungen mehr erfüllen, um gesehen und gemocht zu werden. Ich darf mich selbst mögen, indem ich für meine Bedürdnisse einstehe.

    Was ist also so schwierig daran, wenn ich das nächste mal ohne Umschweife sage: „Schatz, ich bin zwei Tage weg, um bei mir zu sein. Ich muss ein wenig abspannen„. Ist es für den Partner nicht viel fairer, ihm die Möglichkeit zu lassen, darauf eigenständig zu reagieren, anstelle alle Entschuldigungs- und Erklärungsmodelle in einem nicht endenden, stammelden Monolog mitzuliefern? Zeugt es nicht von viel mehr innerer Stärke, keine Erklärungen mitzugeben?

    Seinen Mann zu stehen heißt auch, für sich zu sorgen und nicht nur die Bedürfnisse der anderen zu erfüllen. Für sich selbst sorgen zu können begründet Verlässlichkeit und Vertrauen und auch Respekt. Also jene Werte, die mir in einer Beziehung wichtig sind, wofür ich aber offenkundig bisher keine passenden Werkzeuge hatte.

    Was bleibt ist die Angst, als rücksichtlos und selbstbezogen empfunden zu werden. Aber ist es nicht viel besser, diese Gefahr in Kauf zu nehmen, als ständig von vornherein auf alle denkbaren Gefühle Rücksicht zu nehmen, um dann wie ein kleines Kind vor sich hinzustammeln?

    Ich unterstelle, dass meine Partnerin erwachsen ist und sie ihren eigenen Standpunkt vertreten kann (das hat sie mir schon oft bewiesen). Sie kann also Einwände gegen meine Bedürfnisse jederzeit äußern (anstelle zu schweigen). Wer schweigt, hat keine Einwände. Ich habe keinen Einfluss darauf, ob mein Anliegen sie verletzt oder ob sie ihren Standpunkt vertritt. Ich habe Einfluss darauf, mein Anliegen zu äußern und ihr Schweigen dazu entwerder als Zustimmung zu bewerten oder nachzufassen, weshalb sie schweigt. In keinem Falle habe ich die Aufgabe, meine Partnerin vor vermeintlichen Verletzungen zu bewahren, die sie selbst nicht äußert. Sei es, weil sie es nicht mehr muss (das habe ich bisher automatisch mit übernommen) oder weil sie es nicht kann oder will. So oder so, ich darf doch das Zutrauen haben, dass sie mir mein Anliegen gönnt, und dass sie Einwände erheben würde, wenn welche bestünden oder es zumindest lernt.

    Weniger ist also mehr in diesem Fall: weniger denken für den anderen, weniger erklären, weniger Rücksichtnahme. Dafür mehr Freiheit, mehr Raum für mich, mehr echte Kommunikation.

    In my relationship, I can be incredibly complicated. If I have a specific wish – such as spending a day on my own – I find it difficult even to voice that wish openly. When I do voice it, I immediately package it into a bite-sized nugget for my partner, in the hope of making it easier for her to take on board. The actual core message is then combined with endless accompanying sentences to justify myself, such as: “You know I want to work on myself, and I feel that having some time on my own could be really helpful for that. So would you be OK with it if…? Of course, it’s no problem if you have a problem with it (in which case I’d stay here).” Behind this lies the fear that my partner might interpret my request as an affront to her or as a criticism of her as a person, and that she is the reason why I need days to myself (to recover from her). I’m afraid of hurting her feelings if I express my wish openly and directly, and above all without explanation or sugar-coating. The fact that I primarily want to spend time on my own is a separate matter.

    In situations like this, my radar picks up on every potential source of danger, and long before the actual conversation takes place, everything is weighed up, mixed together and balanced out in my mind. In the end, a one-sided conversation takes place, led by me, with my partner, in which I take on and play every conceivable role, offer compromises without need, and try to soothe supposedly hurt feelings from the outset, just so as not to step on anyone’s toes.

    And so my life is a balancing act between my own wishes and needs on the one hand, and my tendency to make myself dependent on my partner’s feelings and expectations on the other. Viewed from a distance, a fulfilling relationship cannot develop in this way.

    Actively engaging in one’s own relationship – by expressing one’s own wishes, needs and expectations of one’s partner, and by shaping the relationship – is a core problem for the Nice Guy. Here, he seems to face a thousand dangers: rejection, criticism, and reprimand for communicating his own concerns. The Nice Guy is happy to meet expectations and takes a back seat. And for good reason: earlier, in his relationship with his parents (primarily his mother), the Nice Guy’s own needs were not encouraged, and he did not learn to actively communicate and assert them.

    It is important for my own understanding that my partner is not my mother. My inner child no longer has to fulfil expectations in order to be seen and liked. I am allowed to like myself by standing up for my needs.

    So what’s so difficult about simply saying the next time, without beating about the bush: ‘Darling, I’m going away for two days to spend some time on my own. I need to unwind a bit.’ Isn’t it much fairer to your partner to give them the chance to react to this in their own way, rather than offering up a whole litany of excuses and explanations in a never-ending, stammering monologue? Doesn’t it show much more inner strength not to offer any explanations?

    Standing your ground also means looking after yourself and not just fulfilling the needs of others. Being able to look after yourself builds reliability, trust and respect. In other words, those values that are important to me in a relationship, but for which I clearly haven’t had the right tools until now.

    What remains is the fear of being perceived as inconsiderate and self-centred. But isn’t it far better to accept that risk than to constantly try to anticipate every conceivable feeling from the outset, only to end up stammering away like a small child?

    I assume that my partner is an adult and is capable of expressing her own point of view (she has proven this to me many times). She is therefore free to voice any objections to my needs at any time (rather than remaining silent). Silence implies no objection. I have no control over whether my request upsets her or whether she chooses to express her point of view. I do have the power to voice my request and to either interpret her silence as consent or to follow up on why she is silent. Under no circumstances is it my responsibility to protect my partner from supposed hurt that she herself does not express. Be it because she no longer needs to (something I have automatically taken on myself until now) or because she cannot or will not. Either way, I am allowed to trust that she respects my concerns, and that she would raise objections if she had any, or at least learn to do so.

    So in this case, less is more: less thinking for the other person, less explaining, less consideration. In return, more freedom, more space for me, more genuine communication.

  • Hinter der Maske

    behind the mask

    13.03.2026

    Ich weiß, ich habe Sonnenseiten: ich bin aufmerksam, empathisch, zuvorkommend, treu, verbindlich, zuverlässig und sicherlich noch Vieles mehr.

    Als ich gestern Nacht im Bett lag und über mich nachdachte, durchbrach ein scharfes Bild bzw. ein Blitz meine kreisenden Gedanken: irgendwie bin ich ein A***loch; ich meine ein richtiges A***loch. Ich hatte in dem Buch „Nie mehr Mr Nice Guy“ oft davon gelesen, dass Nice Guys eigentlich verkappte A***löcher mit sonniger, freundlicher Maske sind, aber so richtig verstehen wollte ich es nicht. Ich konnte es beim Lesen zwar eine Art Bestätigung oder Betroffenheit fühlen, hatte aber kein konkretes Bild und keine Erkenntnis vor Augen. Nun, seit gestern ist sie da, zumindest anteilig. Ob ich das volle Ausmaß realisiert habe, vermag ich noch zu bezweifeln, dafür bin ich derzeit noch zu gefasst. Aber im Grunde weiß ich das auch schon sehr lange, ohne es jemals konkret benannt zu haben.

    Gestern Nacht sah ich, dass ich im Grunde genommen unfassbar unehrlich und feige bin. Meine Unehrlichkeit umfasst eigentlich alles: unehrlich zu mir, zu meiner Frau, zu Eltern und Freuden. Ich habe mich in ein übersteigertes Bild von mir selbst verliebt und dieses Bild soll als meine Persönlichkeit wahrgenommen werden. Dieses Bild ist überaus diffus. Erfolgreich, smart, keine Schwächen, keine Ecken und Kanten. Und ganz wichtig: nicht unehrlich. Ich habe immer gedacht, ich sei ein ehrlicher Typ, moralisch integer. Das bin ich nicht, nicht im Geringsten. Vielmehr habe ich intuitiv extrem viel Energie aufgewandt, um meine Unehrlichkeit zu verbergen. Und warum? Weil die Erkenntnis, so unehrlich zu sein, überhaupt nicht meinem Selbstbild entspricht und deswegen auch in keiner Weise von mir akzeptiert wurde. Ich glaube, nur meine engsten, ältesten Freunden ist es bisher aufgefallen, dass das meine gespielte Ehrlichkeit eine Maske ist und ich Angst davor habe, mich zu sehen. Und ich verstehe nun auch, weshalb ich damals zusammen mit meinen engsten Freunden gut funktionierte (auch wenn ich schauspielerte), heute mit neuen Bekannten und Freunden aber nicht mehr. Meine alten Freunde kannten „Das“ hinter meiner Maske (und sie waren dennoch befreundet mit mir. Klar, habe ja auch angenehme Seiten).

    Wie erwähnt erkannte ich auch, feige zu sein. Gar nicht so sehr betreffend Situationen, bei denen es auf männlichen Mut ankommt (diese inbegriffen). Ich meine vorrangig diese Feigheit, seine Gefühle und Unsicherheiten zu zeigen und insbesondere für meine Bedürfnisse zu kämpfen. Ich habe diesen Kampf nie geführt. Ich habe mich untergeordnet, weil ich ein kleiner Hosenscheißer bin. Ich habe freiwillig nie allein und für mich im kalten Gegenwind gestanden. In unendlicher Anzahl von Situationen habe ich immer den Weg genommen, der mir Rückhalt und Bestätigung sicherte. Ich bin sozusagen süchtig danach.

    Und als ich darüber nachdachte, kam ein starker Impuls in mir hoch: zeig Dein mieses Gesicht. Wenn du schon ein A***loch bist, dann sei auch eins und spiel nicht den Nice Guy. Sei ein A*** zu Frauen. Es wird irgendwie nötig sein, um meine Wut ihnen gegenüber abzubauen. Sei ein A*** zu Freunden, etc. Vielleicht, wenn ich anderen gegenüber offen zeige, dass ich nicht gönne, neidisch bin, ganz oben sein will, gesehen werden will, dann bin ich zwar unausstehlich anderen, aber vielleicht kein A*** mehr mir selbst gegenüber.

    Irgendetwas ist gestern Nacht mit mir passiert. Ich bin gespannt wie es weitergeht und habe Angst, es könnte mir den Boden unter den Füßen wegreißen.

    know I have my good points: I’m attentive, empathetic, considerate, loyal, engaging, reliable and surely many more besides.

    As I lay in bed last night thinking about myself, a sharp image – or rather a flash of insight – cut through my racing thoughts: somehow, I’m a proper arsehole; I mean a real arsehole. I’d often read in the book Never Be a Nice Guy Again that nice guys are actually arseholes in disguise wearing a sunny, friendly mask, but I didn’t really want to understand it. Whilst reading, I could feel a sort of confirmation or consternation, but I didn’t have a concrete image or realisation in mind. Well, since yesterday it’s there, at least in part. Whether I’ve realised the full extent of it, I still doubt; I’m still too composed for that at the moment. But deep down, I’ve known this for a very long time, without ever having put it into words.

    Last night I realised that, deep down, I’m actually incredibly dishonest and cowardly. My dishonesty extends to everything: I’m dishonest with myself, with my wife, with my parents and with my friends. I have fallen in love with an exaggerated image of myself, and this image is meant to be perceived as my personality. This image is extremely vague. Successful, smart, no weaknesses, no rough edges. And most importantly: not dishonest. I always thought I was an honest bloke, morally upright. I’m not, not in the slightest. Rather, I have intuitively expended an enormous amount of energy to conceal my dishonesty. And why? Because the realisation of being so dishonest does not correspond at all to my self-image and was therefore not accepted by me in any way. I believe that only my closest, oldest friends have so far noticed that my feigned honesty is a mask and that I am afraid to face myself. And I now also understand why I used to get on well with my closest friends back then (even though I was putting on an act), but no longer do so with new acquaintances and friends today. My old friends knew ‘that’ behind my mask (and they were still friends with me. Of course, I do have pleasant sides too).

    As I mentioned, I also realised that I was a coward. Not so much in situations where masculine courage is required (though those included). I’m referring primarily to the cowardice of showing one’s feelings and insecurities, and in particular of standing up for my own needs. I’ve never fought that battle. I’ve always backed down because I’m a bit of a wimp. I’ve never voluntarily stood alone and for myself in the face of adversity. In countless situations, I’ve always taken the path that guaranteed me support and validation. I’m addicted to it, so to speak.

    And as I thought about it, a strong impulse welled up inside me: show your ugly face. If you’re already an arsehole, then be one and don’t play the nice guy. Be an arsehole to women. It’ll be necessary, somehow, to work off my anger towards them. Be an ahole to friends, and so on. Perhaps if I openly show others that I’m begrudging, envious, want to be on top, want to be seen, then I might be unbearable to others, but perhaps I won’t be an ahole to myself anymore.

    Something happened to me last night. I’m curious to see how things will turn out, but I’m afraid it might pull the rug out from under me.

  • Abhängigkeiten

    dependencies

    12.03.2026

    Meine Frau war beruflich für mehrere Tage unterwegs, zum ersten mal seit unserer langjährigen Beziehung. Ich leide derzeit unter einer Angststörung mit depressiven Auswüchsen. Am Vortag ihrer Abreise überkam mich Angst vor dem Alleinsein. Ein Gefühl, dass ich in der Form lange nicht mehr hatte. Wie sollte ich für mich allein zurecht kommen? Dieser Satz wäre für mich vor Jahren noch undenkbar gewesen. Damals wäre es für mich die größte Selbstverständlichkeit gewesen, allein zurecht zu kommen und es wäre für mich viel schwieriger gewesen, in einer Beziehung zu sein. Die Vorzeichen haben sich also verändert, aber massiv.

    Ich begann zu spüren, wie abhängig ich mich von meiner Frau gemacht habe und mir mein Kopf ein Panikkonzert bescherte, als nun ein mehrtägiges Alleinsein anstand. Ich kann nicht sagen, dass ich einsam war. Nein, ich habe Freunde getroffen und Dinge unternommen (dies aber auch vorrangig, um die Zeit zu überbücken und die Angst vor dem Alleinsein weniger zu spüren). Aber die Treffen konnte ich nach einem gewissen Anlauf dennoch genießen. Allerdings habe ich in diesen Tagen auch erheblich mehr gegrübelt, da mir eine Resonanz in Form meiner Frau fehlte.

    Die Tage für mich allein haben mir vieles gezeigt:

    1. Ich bin weit davon entfernt, unabhängig und angstrei zu sein.
    2. In meiner Partnerschaft begebe ich mich in eine sehr abhängige, passive Rolle und es war extrem ungewohnt für mich, in den vergangenen Tagen mein Leben selbst zu planen und zu gestalten. Demgegenüber ist meine Frau recht dominant.
    3. Wenn ich in meine Beziehung hineinschaue, stehe ich wie ein kleiner Junge da. Ich möchte es recht machen, Anerkennung haben, bin sehr sehr viel beim Anderen. Mir geht es immer vorrangig um affektive Bedürfnisbefriedigung und ich habe ganz wenig Zugriff auf meine tiefen Gefühle und Bedürfnisse. Ich kenne sie oftmals nicht und wenn ich sie kenne, fällt es mir sehr schwer sie zu artikulieren, geschweige denn zu vertreten (und durchzusetzen).
    4. Ich habe die große Sehnsucht, in meiner Beziehung erwachsen zu sein. Eine Beziehung, die sich nicht wie Enge anfühlt, sondern wie ein Garten, in dem es allerhand zu entdecken gibt und frühlingshaft duftet.
    5. Ich habe Angst davor, dass meine Frau und ich nicht wirklich zueinander passen, weil unsere Beziehungsdynamik wie eine Art „Schlüssel“ und „Schloss“ in eine belastende, destruktive Richtung gehen.
    6. Ich habe mich irgendwie verloren. Ich empfinde wenig Freude, obwohl es Anlass dafür gibt. Vielmehr ist mir alles eine Last.
    7. Für meine Frau muss unsere Beziehung irgendwie die Hölle sein. Ich dachte immer, durch meine Art tue ich ihr einen Gefallen oder entspreche Ihren Vorstellungen an unsere Beziehung. Aber ich muss erkennen, dass ich kein guter, bereichernder Partner, sondern ein passives, unfaires und unehrliches Kind bin.

    Robert A. Glover benennt in seinem Buch „Nie mehr Mr Nice Guy“ die Zeit für sich allein als ganz zentralen Baustein für die Entwicklung der eigenen Selbstwahrnehmung und -reflexion. Im Alleinsein bzw. im Für-Sich-sein geben wir (Nice Guys) uns die Gelegenheit, in uns hineinzuhorchen. Dies ist uns, wenn wir mit anderen, insbesondere dem Partner sind, nicht möglich, weil unsere Antennen ausgefahren sind und wir (laufend) unsere Umgebung abchecken auf Bedürfnisse und Anforderungen, die (vermeintlich) an uns gestellt werden, Konflikte, Vorwürfe, etc. In dem Alleinsein können wir fühlen, was in uns ist, was uns bewegt und ausmacht. Das In-Sich-Hineinhören ist schwierig und ungewohnt. Aber es schafft überhaupt erst den Anfang für Selbstwahrnehmung.

    So sehr es mir schmeckt oder nicht: damit ich der sein kann, der ich sein möchte, und damit ich frei von Ängsten sein kann, muss ich mehr Zeit mit mir allein verbringen (nicht mit meiner Frau oder mit meinen Freunden oder Eltern, etc.), mit mir ganz allein. Das wirkt überfordern für mich, aber ich komme gerade aus eben jenen „freien Tagen“ und ich muss trotz aller Ängste eingestehen, dass ich näher an mir bin und irgendwie auch mehr Kontrolle spüre.

    My wife was away on business for several days, for the first time in our long relationship. I am currently suffering from an anxiety disorder with depressive tendencies. The day before she left, I was overcome with fear of being alone. It was a feeling I hadn’t had in a long time. How would I manage on my own? Years ago, this sentence would have been unthinkable for me. Back then, it would have been the most natural thing in the world for me to manage on my own, and it would have been much more difficult for me to be in a relationship. So the signs have changed, but massively.

    I began to feel how dependent I had made myself on my wife, and my head was filled with panic when I realised I would be alone for several days. I can’t say that I was lonely. No, I met friends and did things (but mainly to pass the time and feel less afraid of being alone). But after a certain amount of time, I was able to enjoy the meetings. However, I also pondered considerably more during those days, as I lacked the resonance I had with my wife.

    The days I spent alone taught me a lot:

    1. I am far from being independent and fearless.
    2. In my relationship, I take on a very dependent, passive role, and it was extremely unusual for me to plan and shape my own life over the past few days. In contrast, my wife is quite dominant.
    3. When I look at my relationship, I feel like a little boy. I want to do the right thing, be recognised, and I am very much focused on the other person. My primary concern is always the satisfaction of my emotional needs, and I have very little access to my deep feelings and needs. I often don’t know what they are, and when I do know, I find it very difficult to articulate them, let alone represent (and enforce) them.
    4. I have a great longing to be an adult in my relationship. A relationship that doesn’t feel restrictive, but like a garden where there is all sorts to discover and it smells like spring.
    5. I am afraid that my wife and I are not really suited to each other because the dynamics of our relationship are like a kind of ‘key’ and ‘lock’ that are moving in a stressful, destructive direction.
    6. I have somehow lost myself. I feel little joy, even though there is reason to be joyful. Instead, everything feels like a burden to me.
    7. For my wife, our relationship must be hell. I always thought that my behaviour was doing her a favour or that it met her expectations of our relationship. But I have to admit that I am not a good, enriching partner, but rather a passive, unfair and dishonest child.

    In his book ‘No More Mr Nice Guy’, Robert A. Glover identifies time alone as a key component in developing self-awareness and self-reflection. When we are alone or by ourselves, we (nice guys) give ourselves the opportunity to listen to our inner voice. This is not possible when we are with others, especially our partner, because our antennae are out and we are (constantly) checking our surroundings for needs and demands that are (supposedly) placed on us, conflicts, accusations, etc. When we are alone, we can feel what is inside us, what moves us and defines us. Listening to ourselves is difficult and unfamiliar. But it is the first step towards self-awareness.

    As much as I like it or not: in order to be who I want to be and to be free of fears, I need to spend more time alone (not with my wife or my friends or parents, etc.), completely alone with myself. This seems overwhelming to me, but I have just come back from those ‘days off’ and, despite all my fears, I have to admit that I am closer to myself and somehow feel more in control.

  • Eine gute, alte Freundin

    A good, old friend

    10.03.2026

    Um meinen Blog vom 09.03. zum Thema „Freundschaften“ zu erweitern, greife ich heute eine alte, tiefe Freundschaft zu einer weiblichen Person auf. Es gab Zeiten, da verstehten wir uns blind, regten uns an, inspirierten uns, waren uns nah und konnten diese Nähe mühelos halten. Ich möchte fast sagen, wir haben uns seelisch gespiegelt. Dann kamen Zeiten, in denen das körperliche, sinnliche Begehren überwog und des drohte großes Ungemach. Wir waren immer noch jung und wussten nicht so recht, was wir tun und aufs Spiel setzen. Gefühle wurden verletzt, Schranken hochgezogen, Spiele gespielt, wir begannen gegeneinander zu kämpfen. Es ging uns, aus meiner Sicht, um Macht. Wer ist der Stärkere von uns beiden? Du wolltest mich „haben“ bzw. „besitzen“. Ich wollte gewinnen, indem ich Dir glaubhaft machen wollte, dass man mich nicht besitzen kann. Aus dem einstigen Tanz wurde Kampf. Und heute, viele viele Jahre später, habe ich immer noch Schuldgefühle, sehe mich als Zerstörer, als Peiniger, vermisse immer noch die vertraute Nähe, den Rückhalt, das blinde Verständnis. Wenn wir uns heutzutage treffen, ist von alldem nicht mehr viel übrig. Halbleere Gespräche, Vermeidung, Erinnerungen an Gutes und Schlechtes. Da ist immer noch das Band, aber das Band ist nicht mehr elastisch, es ist porös und hängt durch.

    Ich bin glücklich mit meinem Leben und ich hoffe, sie ist es auch. Ich fühle mich verantwortlich. Oft frage ich mich, wohin es sich entwickelt hätte, wenn ich damals vor meinen Gefühlen nicht weggelaufen wäre. Es sind die verpassten Dinge im Leben, die einen belasten. Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, deinem Anspruch auf mich gewaltlos zu beantworten und unsere Beziehung in ruhigem Fahrwasser vielleicht in eine Partnerschaft gelenkt, in der wir uns hätten zeigen können, was offene, ehrliche und bedingungdlose Nähe und Liebe ist.

    Wir haben nie ein offizielles Ende gefunden, uns ausgesprochen oder uns ehrlich verziehen. Wir beide haben unsern Schmerz mit uns selbst ausgemacht. Ich fühle häufig, dass wir uns vergeben sollten. Auch wenn es mir – wie dir auch – auch heute noch schwer fällt, drüber zu sprechen, so tue ich es wenigestens hier in meinem Blog.

    Ich verzeihe Dir. Ich weiß, Du handeltest nicht böswillig, aber für mich, für mein „inneres Kind“, kamst du wie ein gegnerischer Panzer auf mich zu und ich wählte die Flucht und den Gegenangriff. Bitte entschuldige, ich wußte nicht, was ich da tue. Leider bin ich so weit geflüchtet, um Deinem Besitzanspruch zu entkommen, bis ich von mir selbst meilenweit entfernt war. Du warst der Auslöser einer nicht endenden Odyssee für mich. Und anders als Odysseus wusste ich lange Zeit auch gar nicht mehr, wo mein Zuhause eigentlich ist, für das es sich lohnt, durchzuhalten und weitergehen. Er hatte wenigestens eine Erinnerung an seine Penelope, an sein Zuhause. Meine See war ohne Hafen.

    Ich wurde auf dieser endlosen Reise zu einem Entdecker für mich. Ich betrat Neuland, fand meine Penelope, fand mein Zuhause, fand eine Beziehung mit Vertrauen, auch wenn ich sie manchmal sabotiert habe. Heute fühle ich mich geläutert.

    Ich wünsche Dir und Deinem Leben von ganzem Herzen das Allerbeste. Ich wünsche Dir Ankunft, Nähe und Vertrauen. Ich wünsche Dir, dass Du lernst sie zu halten, sie nicht zu überfrachten und zu erdrücken, in ihr zu ruhen. Du bist großartig und so soll Dein Leben sich auch für Dich anfühlen.

    Meine Schuldgefühle mögen vielleicht erst dann vollends zur Ruhe kommen, wenn Du Deinen Hafen gefunden hast.

    Ich danke Dir für alles, was war. Ich hoffe, ich kann Dir ab heute ein aufrichtiger, verlässlicher und guter Freund sein. Ich habe meine damalige Liebe nicht verloren, ich habe sie zurückgegeben (vgl. Epiktet – Handbüchlein der Moral, Ziffer 11).

    To expand on my blog post from 9 March on the topic of ‘friendships’, today I’m going to talk about an old, deep friendship with a female friend. There were times when we understood each other blindly, stimulated and inspired each other, were close and could maintain this closeness effortlessly. I would almost say that we mirrored each other’s souls. Then came times when physical, sensual desire prevailed and great adversity threatened. We were still young and didn’t really know what we were doing and what we were putting at risk. Feelings were hurt, barriers were erected, games were played, and we began to fight each other. From my point of view, it was about power. Who is the stronger of the two of us? You wanted to ‘have’ or ‘possess’ me. I wanted to win by convincing you that you couldn’t possess me. The dance we once shared turned into a fight. And today, many, many years later, I still feel guilty, I see myself as a destroyer, a tormentor, I still miss the familiar closeness, the support, the blind understanding. When we meet today, there is not much left of all that. Half-empty conversations, avoidance, memories of good and bad. The bond is still there, but it is no longer elastic, it is porous and sagging.

    I am happy with my life and I hope she is too. I feel responsible. I often wonder where things would have gone if I hadn’t run away from my feelings back then. It’s the things you miss out on in life that weigh you down. I wish I had had the courage to respond to your feelings for me without resorting to violence and perhaps steered our relationship into calmer waters, into a partnership in which we could have shown each other what open, honest and unconditional closeness and love is.

    We never found an official end, talked things through or forgave each other honestly. We both dealt with our pain on our own. I often feel that we should forgive each other. Even though I still find it difficult to talk about it today, as you do, I am at least doing so here in my blog.

    I forgive you. I know you didn’t mean any harm, but for me, for my ‘inner child’, you came at me like an enemy tank and I chose to flee and counterattack. Please forgive me, I didn’t know what I was doing. Unfortunately, I fled so far to escape your claim of ownership that I ended up miles away from myself. You were the trigger for a never-ending odyssey for me. And unlike Odysseus, for a long time I no longer knew where my home was, the place that was worth persevering for and continuing on to. At least he had memories of his Penelope, of his home. My sea had no harbour.

    On this endless journey, I became an explorer of myself. I entered new territory, found my Penelope, found my home, found a relationship based on trust, even if I sometimes sabotaged it. Today, I feel purified.

    I wish you and your life all the very best with all my heart. I wish you arrival, closeness and trust. I wish you to learn to hold on to it, not to overload and overwhelm it, to rest in it. You are wonderful and that is how your life should feel to you.

    My feelings of guilt may only come to rest completely when you have found your haven.

    I thank you for everything that was. I hope that from today onwards I can be a sincere, reliable and good friend to you. I have not lost my love from back then, I have given it back (cf. Epictetus – Enchiridion, section 11).

  • Ein schwieriger, alter Freund

    A difficult, old friend

    09.03.2026

    Die guten alten Zeiten, wir haben zusammen gefeiert, Spaß gehabt und auch getrauert. Dann kam das Leben mit seinen Hürden, für beide von uns, räumliche Trennung, unterschiedliche Entwicklungen, Interessen, Probleme. Der „Kit“ der Freundschaft von damals scheint sich in Luft aufgelöst zu haben, wir sprechen unterschiedliche Sprachen. Und es bleiben alte Wunden, die wir uns hinterlassen haben, und schöne Erinnerungen.

    Eine Jugendfreundschaft muss im Erwachsenenalter gepflegt werden. Es muss investiert werden in gemeinsame Zeit, in Austausch und Zuhören, gerade wenn es eigentlich nervt und der eigene Alltag bestimmend scheint, gerade wenn die Couch am Abend reizvoller scheint als ein 30-minütiges Telefonat.

    Er sagt, ich habe ihn im Stich gelassen, als es ihm besonders schlecht ging. Das stimmt auch, ich hatte zum einen meine eigenen Probleme und fühlte mich nicht stabil genug, um seine Probleme mitzutragen. Zum anderen war seine Situation tatsächlich belastend und ich hatte das Gefühl, mit gut gemeinten Anrufen aus der Ferne nicht viel bewirken zu können. Andere Freunde vor Ort konnten besser helfen (was sie auch taten). Meine Schuldgefühle bleiben, entschuldigt habe ich mich nie.

    Ich sage, er nutzt mich aus, seit vielen Jahren. Er meldet sich nur dann, wenn ich ihm helfen soll. Wenn wir uns treffen, weil ich es vorschlage, dann erzählt er nur von sich und seinem kleinen Leben. Verständnis oder nur ein Ohr für mein Leben, meine Probleme, ist nicht und war nie vorhanden. Die Grundposition unserer Freundschaft krankte: ich war der verzogene Sohn mit goldenem Löffel im Mund, soft, kein Rabauke. Er hat es mich all zu oft spüren lassen mit Abwertung, unbegründeten Erwartenshaltungen an mich, ich sei ihm irgendetwas schuldig für die ungleiche Verteilung. Und als lieber Kerl habe ich diese ungleiche Verteilung lange, lange Zeit zu kompensieren versucht. Eigentlich war ich über all die Jahre in einer nicht endenden Bringschuld, die aus seiner Sicht vollkommen gerechtfertig war und ist.

    Er kennt meine Triggerpunkte. Er spricht schlecht über mich hinter meinem Rücken in Form von krassen Vorwürfen, die mich extrem wütend machen. Er macht Vorwürfe, spricht schlecht, beklagt sich und erzählt unwahre Dinge.

    „Zwei Männer, die sich gründlich aussprechen sollten“, ist es nicht so? Vielleicht habe ich Angst vor der Aussprache, vor Vorwürfen, vor Sichtweisen, die ich nicht mehr verstehen kann. Vielleicht ist es mir zuviel. Vielleicht suchte ich die Aussprache nur deswegen, damit er seinen Mund hält und er endlich aufhört, mich zu quälen.

    Ich habe innerlich vor langer Zeit „F*** Dich“ zu ihm gesagt. In der Zeit habe ich Hilfe und Unterstützung, einen Freund, benötigt, und keinen als Freund verkleideten Hater mit einem Messer hinter meinem Rücken. Jemanden, der mir das Gefühl gibt, in Ordnung und richtig zu sein, auch wenn ich Manches falsch gemacht habe. Freunschaft funktioniert so nicht, diese Erkenntnis sollten wir Beide mitnehmen.

    Was bleibt ist, dass ich mich selbst hate, da ich sein respektloses Verhalten schweigend dulde und keinen Mut aufbringe, ihm die Stirn zu bieten. Meine Konfliktscheue ist ihm lange bekannt und er reitet genüsslich darauf herum. Außerdem hasse ich diese alte Rolle, die ich bis heute nicht losgeworden bin: Sohn, Softy, kein Platz am Tisch.

    Für Epiktet ist der Umgang mit Lästereien hinter dem eigenen Rücken leicht erklärt: „Wenn dir jemand berichtet, der oder jener sage Schlechtes über dich, so rechtfertige dich nicht, sondern antworte: Nun, er kannte wohl meine anderen Fehler nicht, die mir anhaften; denn sonst würde er nicht diese allein anführen“ – Handbüchlein der Moral – Ziffer 33. Fein! Mein Freund kannte wohl meine Konfliktscheue und meine nachtragende, passive Wut nicht. Er kannte offensichtlich auch nicht meine Unfähigkeit, mit fehlender Harmonie und falschen Vorwürfen klarzukommen. Ihm war meine stark ausgeprägte Verletzlichkeit, meine Sucht nach Anerkennung und nach einem Saubermann-Image und auch meine narzisstischen Züge nicht bekannt (oder vielleicht eben doch, da er mich hier ja in einer Schraubzwinge lässt). Wenn er dies alles gewusst hätte, dann hätte er gut daran getan, sich auch darüber bei Anderen zu beschweren. Bisher bin ich da noch glimpflich weggekommen.

    Werden wir von Anderen gereizt, beleidigt oder gedemütigt, so rät uns Epiktet außerdem zur Besonnenheit und zur Einsicht, dass nicht der Andere uns reizt oder demütigt, sondern allein unsere Vorstellung. Wir können nicht kontrollieren, was die Anderen über uns sagen und denken. Unter eigener Kontrolle haben wir, wie wir es bewerten, dass über uns schlecht gesprochen wird. Ich kann mich also fragen, warum es mich verletzt und demütigt, wenn Andere schlecht über mich reden. Wie wichtig ist mein falscher Stolz und meine Sucht nach Anerkennung im Vergleich zu innerer Freiheit? Habe ich den Kampf nicht für mich gewonnen, wenn ich mich frei davon mache, mich zur Wehr setzen zu müssen? Kann ich mein (angekratztes) Selbstbild überhaupt erfolgreich verteidigen, indem ich mich verteidige?

    Ich habe doch letztlich keinen wirklichen Einfluss darauf, was der Freund von mir denkt. Ich könnte mich nun Jahre nicht melden oder jeden Tag versuchen, die Freundschaft zu retten. Ich könnte weiterhin meine alte Rolle erfüllen oder neue Wege suchen. Sein Bild von mir kann ich nicht ändern, ich bin insoweit machtlos. Also kann ich auch jeden Versuch unterlassen, sein Bild von mir zu ändern. Er darf über mich denken, wie bzw. was er möchte und ich darf mich dazu entscheiden, ob ich mich gedemütigt fühle, wenn sein Bild von mir nicht mit meinem Selbstbild übereinstimmt. Insofern sind wir Beide frei.

    Wir wollen allzu gern unter Kontrolle haben, was Andere über uns denken und wir müssen einsehen, dass wir machtlos sind, egal wie sehr wir uns bemühen. Was sich als Machtlosigkeit anfühlt, ist eigentlich Freiheit.

    The good old days, we celebrated together, had fun and also mourned. Then life came along with its hurdles, for both of us, physical separation, different developments, interests, problems. The ‘kit’ of friendship from back then seems to have vanished into thin air, we speak different languages. And what remains are old wounds that we left behind and fond memories.

    A childhood friendship has to be nurtured in adulthood. You have to invest in spending time together, in talking and listening, especially when it’s annoying and your own everyday life seems to take precedence, especially when the sofa seems more appealing in the evening than a 30-minute phone call.

    He says I let him down when he was going through a particularly bad time. That’s true, on the one hand I had my own problems and didn’t feel stable enough to take on his problems as well. On the other hand, his situation was indeed stressful and I felt that well-intentioned phone calls from afar wouldn’t make much difference. Other friends who were there were better able to help (which they did). My feelings of guilt remain, I never apologised.

    I say he has been exploiting me for many years. He only gets in touch when he needs my help. When we meet because I suggest it, he only talks about himself and his little life. He has never shown any understanding or listened to my life and my problems. The basis of our friendship was flawed: I was the spoilt son with a silver spoon in my mouth, soft, not a troublemaker. He made me feel it all too often with disparagement, unfounded expectations of me, that I owed him something for the unequal distribution. And as a nice guy, I tried to compensate for this unequal distribution for a long, long time. In fact, over the years, I was in a never-ending debt that, from his point of view, was and is completely justified.

    He knows my trigger points. He speaks badly about me behind my back in the form of harsh accusations that make me extremely angry. He makes accusations, speaks badly, complains and tells untrue things.

    ‘Two men who should talk things through thoroughly,’ isn’t that so? Maybe I’m afraid of the discussion, of accusations, of perspectives that I can no longer understand. Maybe it’s too much for me. Maybe I only wanted to talk it out so that he would shut up and finally stop tormenting me.

    A long time ago, I said ‘F*** you’ to him in my heart. At that time, I needed help and support, a friend, not a hater disguised as a friend with a knife behind my back. Someone who makes me feel okay and right, even if I’ve done some things wrong. Friendship doesn’t work that way, and we should both take that lesson with us.

    What remains is that I hate myself for silently tolerating his disrespectful behaviour and not having the courage to stand up to him. He has long been aware of my aversion to conflict and relishes in exploiting it. I also dislike this old role that I have not been able to shake off to this day: son, softie, no place at the table.

    For Epictetus, dealing with gossip behind one’s back is easily explained: ‘If someone tells you that so-and-so is saying bad things about you, don’t justify yourself, but reply: Well, he probably didn’t know about my other faults, because otherwise he wouldn’t mention only these’ – Enchiridion – Section 33. Fine! My friend was probably unaware of my aversion to conflict and my resentful, passive anger. He was also obviously unaware of my inability to cope with disharmony and false accusations. He was unaware of my pronounced vulnerability, my craving for recognition and a squeaky-clean image, and my narcissistic traits (or perhaps he was aware of them, since he is putting me in a vice here). If he had known all this, he would have been well advised to complain about it to others as well. So far, I have gotten off lightly.

    When others provoke, insult or humiliate us, Epictetus also advises us to remain calm and realise that it is not the other person who provokes or humiliates us, but our own perception. We cannot control what others say and think about us. What we can control is how we evaluate negative comments about ourselves. So I can ask myself why it hurts and humiliates me when others speak badly of me. How important is my false pride and my addiction to recognition compared to inner freedom? Haven’t I won the battle for myself when I free myself from having to defend myself? Can I even successfully defend my (damaged) self-image by defending myself?

    Ultimately, I have no real influence over what my friend thinks of me. I could now go years without contacting him or try every day to save the friendship. I could continue to fulfil my old role or look for new paths. I cannot change his image of me; I am powerless in that respect. So I might as well refrain from any attempt to change his image of me. He is free to think what he wants about me, and I am free to decide whether I feel humiliated when his image of me does not match my self-image. In this respect, we are both free.

    We are all too eager to control what others think of us, and we must realise that we are powerless, no matter how hard we try. What feels like powerlessness is actually freedom.

  • Ehren haben ihren Preis

    Honours come at a price

    06.03.2026

    Ich habe in den vergangenen Tagen den Comedian und Social-Media-Phänomen Masood Boomgaard alias „Self-help Sigh“ für mich entdeckt. Als „Guru“ liefert er Lifehacks zur Vereinfachung des Lebens, die einerseits ironisch die massenhaften, quälenden Lebensoptimierungs-Ratschläge im Internet in das Visier nehmen, andererseits aber eine ganz eigene, entlastende, frische und einfache Wahrheit liefern: Chill Dich, Sch*** auf die anderen und deren Meinungen, Sch*** auf deinen Job, auf Optimierung, auf den Mobiltelefon, Krypto, etc.

    Er hat keine Angst vor Social Media und davor, dem Ernst des Lebens mit Humor zu begegnen. Als Comedian hat er es da natürtlich etwas leichter, die Botschaften unterhaltsam und verdaulich zu verpacken. Ganz nebenbei erreicht er so ein Millionen-Publikum.

    Der Reiz in mir ist groß, ihm nachzueifern, ein leicht verdauliches, witziges und Freude bringendes Format anzubieten. All die Anerkennung, das positive Feedback und den Erfolg sah ich vor meinem geistigen Auge.

    Mein Format empfand ich im Vergleich dazu als anstrengend, unpopulär, kompliziert. Kurzum: ich zweifelte und ich sehnte mich nach Anerkennung für das, was ich (für mich) versuche.

    Nach Epiktet haben Ehren ihren Preis: „Es wird dir jemand bei einem Gastmahle vorgezogen, oder bei einer Begrüßung, oder bei Zuziehung zu einer Beratung. Sind dies nun wirkliche Güter, so wünsche dem Glück, welchem sie zu teil werden; wenn es aber Übel sind, so hast du dich nicht zu betrüben, daß du sie nicht erlangest. Jedenfalls bedenke, daß du nicht gleiche Belohnungen wie andere erlangen kannst, ohne das nämliche, wie sie, zur Erlangung dessen, was nicht in unserer Macht steht, zu tun. Oder wie kann der, der einem großen Herrn keine Besuche macht, bei demselben in gleicher Gunst stehen, wie der, welcher es tut, oder der, welcher nicht an seinem Ehrengeleite sich beteiligt, so wie der, welcher beiwohnt, oder der, welcher kein schmeichelndes Lob spendet, wie der, welcher lobt? Du wärest ungerecht und unersättlich, wenn du den Preis, wofür diese Dinge feil sind, nicht zahlen, sondern dieselben unentgeltlich bekommen wolltest.“ – Handbüchlein der Moral, Ziffer 25.

    Soweit es mir um Anerkennung und Rum geht, so könnte ich mich ähnlich wie Masood Boomgaard als ironischer Anti-Lifestyle-Coach versuchen und hier sicherlich einen Zeitgeist treffen (in Abgrenzung zu dem Optimierungs-Wahnsinn) und dadurch meine gewünschte Aufmerksamkeit erlangen. Der Preis wäre, dass ich nur noch als Comedian wahrgenommen würde und die Leute ausschließlich Comedy von mir erwarten. Ich hätte keinen Platz für – unpopuläre und auch langweilige und quälende – Selbstreflexionen mehr. Dadurch wäre mein eigentliches Anliegen aber verfehlt. Natürtlich träume ich von Ruhm und Erfolg, aber nicht mit diesem Blog. Masood Boomgaard hat ein kluges Konzept gefunden, um erfolgreich zu sein. Mein Konzept wendet sich vorrangig an mich und hat keinen Anspruch, damit Geld zu verdienen oder medialen Erfolg zu haben. Ich würde also mein eigentliches Anliegen, mich zu reflektieren, aus dem Auge verlieren. Ein Comedian möchte ich nicht sein. Der mediale Erfolg von Masood Boomgaard wirkt verlockend auf mich, aber die Konsequenzen möchte ich nicht tragen.

    Soweit es um die Kernaussagen von Masood Boomgaard geht (die ich als nicht ironisch verstehe), also das Vereinfachen des eigenen Lebens, das Freimachen von Druck und Sorgen, so kann ich mich darin durchaus wiederfinden. Seine Aussagen sind entlastend, wohltuend, fröhlich.

    Andererseits ist das Leben doch mehr als nur „Vereinfachung“. Wir können nicht alle Fragen und Probleme damit beantworten, indem wir sagen: „Sch*** drauf“. Oder doch? Wenn ich seine Kernaussagen ernst nehme, dann erhebt er auch einen Anspruch darauf, ein Guru zu sein (wie all die anderen). Und dann reiht er sich eben doch in all die Life-Coaches (nur eben in umgekehrte Richtung) ein, die mir etwas vorgeben oder vorkauen wollen und mich eigentlich von mir selbst wegtreiben.

    Ich versuche lieber, bei mir zu bleiben. Wenn ich aber mal wieder lachen möchte, schaue ich mir gerne den nächsten Hack von ihm an.

    Over the past few days, I have discovered comedian and social media phenomenon Masood Boomgaard, alias ‘Self-help Sigh’. As a ‘guru’, he provides life hacks to simplify life, which on the one hand ironically target the mass of agonising life optimisation advice on the internet, but on the other hand deliver a very unique, relieving, fresh and simple truth: Chill out, f*** the other people and their opinions, f*** your job, your optimisation, your mobile phone, crypto, etc.

    He is not afraid of social media and of facing the seriousness of life with humour. As a comedian, he naturally has it a little easier to package his messages in an entertaining and digestible way. Incidentally, he reaches an audience of millions.

    I am very tempted to emulate him and offer an easily digestible, funny and joyful format. I could see all the recognition, positive feedback and success in my mind’s eye.

    In comparison, I found my approach to be exhausting, unpopular and complicated. In short, I had doubts and longed for recognition for what I was trying to do (for myself).

    According to Epictetus, honours come at a price: „Someone is given preference over you at a banquet, or when greeting guests, or when consulting with others. If these are real goods, then wish happiness upon those who receive them; but if they are evils, then you should not grieve that you do not attain them. In any case, remember that you cannot attain the same rewards as others without doing the same things they do to attain what is not in our power. Or how can someone who does not visit a great lord enjoy the same favour with him as someone who does, or someone who does not participate in his honour guard enjoy the same favour as someone who does, or someone who does not offer flattering praise enjoy the same favour as someone who does? You would be unjust and insatiable if you did not pay the price for which these things are offered, but wanted to obtain them for free.“ – Enchiridion, Section 25.

    As far as recognition and rum are concerned, I could try my hand at being an ironic anti-lifestyle coach, similar to Masood Boomgaard, and certainly tap into the zeitgeist (in contrast to the obsession with optimisation) and thereby gain the attention I desire. The price I would pay would be that I would only be perceived as a comedian and people would expect nothing but comedy from me. I would no longer have any room for unpopular, boring and agonising self-reflections. But that would defeat my actual purpose. Of course, I dream of fame and success, but not with this blog. Masood Boomgaard has found a clever concept for success. My concept is primarily aimed at myself and does not claim to make money or achieve media success. So I would lose sight of my actual goal, which is to reflect on myself. I don’t want to be a comedian. Masood Boomgaard’s media success is tempting to me, but I don’t want to bear the consequences.

    As far as Masood Boomgaard’s core messages are concerned (which I do not understand as ironic), i.e. simplifying one’s own life, freeing oneself from pressure and worries, I can certainly identify with them. His statements are relieving, soothing and cheerful.

    On the other hand, life is more than just ‘simplification’. We cannot answer all questions and problems by saying, ‘F*** it.’ Or can we? If I take his core statements seriously, then he also claims to be a guru (such as all the others). And then he joins the ranks of all those life coaches (only in the opposite direction) who want to dictate or spoon-feed me and actually drive me away from myself.

    I prefer to stay true to myself. But when I want to laugh again, I’ll gladly watch his next hack.

  • Loslassen

    Loslassen

    let go

    04.03.2026

    Meine Eltern konnten nie gut mit Geld umgehen. Und so kam es, dass sie jetzt in einem Alter, in dem sich andere zur Ruhe gesetzt haben, weiterhin arbeiten müssen und verschuldet sind. Das kann bei Unternehmern normal sein, wenn Vermögenswerte gebunden sind, denen Kredite gegenüberstehen. Aber hier ist die Sachlage schwieriger, für Beide droht Schlimmeres.

    Mein Schicksal hat es mir erneut auferlegt, wie von Zauberhand in die Rolle des Helfers zu gelangen: Schlichter, Zuhörer, Berater, Retter. Diese Bürde empfinde ich als belastend und gewichtig. Für mich steckt mehr dahinter als die Begleitung in einer schwierigen Phase. Meine Phantasien stellen mich als „Superman“ dar, der die Verantwortung übernimmt, vorne weggeht, die Dinge zum Guten richtet, Lob und Anerkennung erntet.

    Außerdem merke ich, dass etwas in mir bricht: meine beschönigte Vorstellung an eine heile Kindheit und das Idealbild von meinen Eltern. Es wurde auch Zeit, könnte man zu einem erwachsenen Mann sagen, aber es schmerzt. Insbesondere schmerzt die Vorstellung, dass meine Mutter leidet.

    Ich bin also in einer für mich überfordernden, belastenden Situation. Meine Ängste und Sorgen fühlen sich existenziell an.

    Epiktet sagt, man solle sich nicht überfordern. „Wenn du eine Rolle einnimmst, die dich überfordert, so gibst du dir hierin nicht nur eine Blöße, sondern versäumst auch die, die du hättest ausführen können“ – Handbüchlein der Moral, Ziffer 37.

    Leicht gesagt, würde ich an dieser Stelle sagen. Aber tatsächlich hat er Recht. Die Rolle des Retters, Hoffnungspenders, des aufopfernden Sohns, würde mich vollkommen überfordern und mir andere Rollen, die ich tatsächlich ausfüllen kann, versperren. Ich empfinde es als meine Pflicht zu helfen. Größeres Leid hätte ich zu tragen, wenn ich untätig bliebe. Ich muss also eine Rolle finden, die mich nicht überfordert. Und wenn ich dem nachgehe, dass komme ich zu einer bitteren Erkennntnis: ich kann sie nicht (mehr) retten, der Zug ist womöglich abgefahren. Und es macht keinen Sinn und würde ebenso großen Schaden für mich bedeuten (Verlust meiner Freiheiten), wenn ich mich zur Rettung meiner Eltern komplett verhaften ließe (finanziell, emotional, etc.).

    In der Erkenntnis, dass jede Hilfe zu spät sein könnte, steckt Schmerz. In mir leidet die alte Vorstellung, dass mein Elternhaus und meine Eltern „mein“ sicherer Hafen sind, wo ich gesehen und verstanden werde und ich unterstützung bekomme. Als Kind war ich oft zuhause, spielte krank, um nicht in die Schule zu müssen, sondern „im Warmen“ bleiben zu dürfen. Für mich steht die Wärme der Kindheit auf dem Spiel. Und es fragt sich, wieviel Einsatz nötig ist, um sie zu retten. Muss ich sie überhaupt retten? Was wäre, wenn mein System sich endlich mal updated? Was wäre, wenn ich mich als erwachsenen, unabhängigen Menschen anerkenne? Ich brauche diesen Hafen vielleicht nicht mehr, nicht in der realen Welt und nicht in meinem Kopf.

    Nach Epiktet gibt es keinen Verlust. „Sag nie: ich habe die Sache verloren. Sage: Ich habe die Sache zurückgegeben. Solange es dir zur Verfügung steht, behandle es wie fremdes Eigentum wie die Reisenden die Herberge“ – Handbüchlich der Moral, Ziffer 11.

    Ich denke, diese Weisheit lässt sich nicht nur auf Sachen, sondern auch innere Besitztümer anwenden, wie den sicheren Hafen. Ich habe meinen sicheren Hafen nicht verloren, ich gebe ihn freiwillig zurück. Ich bin sogar dankbar, dass ich ihn so viele Jahre haben durfte. Und nun ist die Zeit gekommen. Wenn ich dies akzeptieren kann, dann entlädt sich auch mein Drama und dann kann ich mich vielleicht auf die sinnvolle Rolle konzentrieren, zu helfen, ohne mich damit zu überfordern.

    My parents were never good at managing money. And so it came to pass that now, at an age when others have retired, they still have to work and are in debt. This may be normal for entrepreneurs when assets are tied up and loans are outstanding. But here the situation is more difficult, with worse things looming for both of them.

    My fate has once again imposed on me the role of helper, as if by magic: mediator, listener, advisor, saviour. I find this burden heavy and stressful. For me, there is more to it than just providing support during a difficult phase. My fantasies portray me as ‘Superman’ who takes responsibility, leads the way, sets things right, and reaps praise and recognition.

    I also notice that something inside me is breaking: my idealised image of a perfect childhood and the ideal image of my parents. You might say that it was about time for a grown man, but it hurts. The idea that my mother is suffering hurts particularly badly.

    So I find myself in a situation that is overwhelming and stressful for me. My fears and worries feel existential.

    Epictetus says one should not overburden oneself. ‘If you take on a role that overwhelms you, you not only expose yourself to ridicule, but also fail to do what you could have done’ – Enchiridion, section 37.

    Easy to say, I would say at this point. But actually, he is right. The role of saviour, giver of hope, sacrificial son, would completely overwhelm me and block me from other roles that I can actually fulfil. I feel it is my duty to help. I would have to bear greater suffering if I remained inactive. So I have to find a role that does not overwhelm me. And when I pursue this, I come to a bitter realisation: I can’t save them (anymore), the train may have already left the station. And it makes no sense and would cause just as much damage to me (loss of my freedoms) if I allowed myself to be completely tied down (financially, emotionally, etc.) in order to save my parents.

    The realisation that any help might be too late is painful. I suffer from the old idea that my parents‘ house and my parents are ‘my’ safe haven, where I am seen and understood and where I receive support. As a child, I was often at home, pretending to be ill so that I didn’t have to go to school and could stay ‘in the warm’. For me, the warmth of childhood is at stake. And the question is, how much effort is needed to save it? Do I even have to save it? What if my system finally updates itself? What if I recognise myself as an adult, independent person? Maybe I don’t need this harbour anymore, not in the real world and not in my head.

    According to Epictetus, there is no such thing as loss. ‘Never say, “I have lost the thing.” Say, “I have returned the thing.” As long as it is at your disposal, treat it as someone else’s property, just as travellers treat an inn.’ – Enchiridion, Section 11.

    I think this wisdom can be applied not only to material possessions, but also to inner possessions, such as a safe haven. I have not lost my safe haven, I am voluntarily giving it back. I am even grateful that I was able to have it for so many years. And now the time has come. If I can accept this, then my drama will also dissipate and then perhaps I can concentrate on the meaningful role of helping without overburdening myself.