When children argue
20.03.2026
Meine Partnerin und ich trinken morgens immer gemeinsam eine Tasse Kaffee und reden, bevor wir zur Arbeit gehen. Dies ist auch die Zeit, in der es bei uns mal zum Streit kommen kann, wahrscheinlich weil wir morgens beide unsere Ruhe brauchen. Gestern morgen kam es zum Streit und ich verlies die Wohnung und knallte die Tür. Es hing mir den ganzen Tag nach. Und auch heute morgen waren wir beide noch in Lauerstellung. Ich konnte dabei etwas beobachten. Ein falsches Wort von ihr, und mein Abwehrsystem springt an. Es beginnt eine Abwärtsspirale und die Fronten verhärten sich. Eigentlich hätte ich heute morgen zu ihr sagen wollen, dass ich mich auf das Wochenende mit ihr und gemeinsame Unternehmumgen freue. Dann bekam ich ein Wort von ihr in den falschen Hals, eine Geste passte mir nicht, und so sagte ich Dinge wie: „Am Wochenende verbringe ich etwas Zeit für mich“. Mir war das Gespräch zuviel, ich war im Fluchtmodus, und ich wollte sie bestrafen. Dabei hatte ich zuvor ganz anderes im Sinn.
Ich frage mich, warum es manchmal so schwierg ist, in einer Partnerschaft offen und „verfügbar“ zu bleiben. Auch heute noch bin ich das trotzig, verletzte und flüchtende Kind, wenn es mal schwieriger wird. Gleiches kann ich an meiner Partnerin beobachten. Am Ende sitzen da zwei Kinder, die ihre alten Konflikte austragen. Und das ist sehr destruktiv, insbesondere wenn unterschiedliche Schutzmechanismen am Werk sind.
Eine Paartherapie habe ich mehrfach angesprochen, aber es ist bisher immer im Sande verlaufen.
Epiktet sagt: „Beleidigungen treffen dich nicht. Nicht wer dich beschimpft, verletzt dich, sondern nur deine Meinung, dass diese Leute dich verletzen. Wenn dich also jemand reizt, so wisse, dass es deine eigene Vorstellung ist, die dich gereizt hat“ – Handbüchlein der Moral, Ziffer 20.
Und so ist es auch. Meine Partnerin möchte mich nicht verletzen, sie ficht eigentlich ihren eigenen Kampf. Und ich reagiere verletzt, weil mich in meiner kindlichen Vorstellung niemand verletzen darf und jedes falsche Wort von ihr auf mich verletzend wirkt (obwohl sie meistens gar nicht die Absicht hat, mir bewusst weh zu tun).
Es ist mein altes Programm, was immer und immer wieder dieselben Bewertungen vornimmt: „Du musst Dich schützen, Du bist in Gefahr, Du musst fliehen„. Herrgott, wenn ich weiterhin so denke, dann ist eine Partnerschaft für mich doch leider nur eine Wiederholung von alten Mustern und Verletzungen. Dabei kann eine Partnerschaft doch sicherlich wundervoll sein, wenn beide diese alten Programme hinter sich lassen.
Ich liebe meine Partnerin, sehr sogar. Und sicherlich ist die Gefahr, verletzt zu werden, deswegen besonders hoch für mich. Aber wenn ich immer meinem alten Programm Glauben schenke und mich destruktiv verhalte, dann gibt es irgendwann diese Partnerschaft nicht mehr und ich hätte etwas verloren, was mir mehr am Herzen liegt als alles Andere.
Und auch hier greift ein altes Muster: die Verlustangst.
Ich wünschte, in Konflikten könnte ich erwachsen sein.
My partner and I always have a cup of coffee together in the morning and have a chat before we go to work. This is also the time when we sometimes end up arguing, probably because we both need our peace and quiet in the morning. Yesterday morning we had an argument and I left the flat, slamming the door behind me. It weighed on my mind all day. And even this morning, we were both still on edge. I noticed something. One wrong word from her, and my defences kick in. A downward spiral begins and the lines harden. Actually, I’d wanted to tell her this morning that I was looking forward to the weekend with her and doing things together. Then I took one of her words the wrong way, a gesture didn’t sit right with me, and so I said things like: ‘I’m going to spend some time on my own this weekend’. The conversation was too much for me; I was in escape mode, and I wanted to punish her. Yet I’d had something completely different in mind beforehand.
I wonder why it’s sometimes so difficult to remain open and ‘accessible’ in a relationship. Even now, when things get tough, I’m still that defiant, hurt and retreating child. I can see the same thing in my partner. In the end, there are two children sitting there, re-enacting their old conflicts. And that’s very destructive, especially when different defence mechanisms are at play.
I have brought up couples therapy several times, but so far it has always come to nothing.
Epictetus says: “Insults do not affect you. It is not the person who insults you who hurts you, but only your belief that these people are hurting you. So if someone provokes you, know that it is your own perception that has provoked you” – Enchiridion, section 20.
And that’s exactly how it is. My partner doesn’t want to hurt me; she’s actually fighting her own battle. And I react as if I’ve been hurt because, in my childish mind, nobody is allowed to hurt me, and every wrong word she utters feels hurtful to me (even though she usually has no intention of deliberately hurting me).
It’s my old mindset that keeps making the same judgements over and over again: “You must protect yourself, you’re in danger, you must flee.” Goodness, if I carry on thinking like this, then a relationship is, sadly, just a repetition of old patterns and hurts for me. Yet a relationship can surely be wonderful if both of us leave these old patterns behind.
I love my partner, very much indeed. And surely that’s why the risk of being hurt is particularly high for me. But if I always give credence to my old programming and behave destructively, then at some point this relationship will no longer exist and I will have lost something that is dearer to me than anything else.
And here, too, an old pattern comes into play: the fear of loss.
I wish I could be mature in conflicts.
