Habt Ihr schon einmal ein geschäftliches Projekt zusammen mit einem (sehr) guten Freund gemacht?
Wir, mein bester Freund und ich, starteten vor 12 Monaten mit riesiger Euphorie unser gemeinsames Projekt. Wir verstanden uns bis dahin eigentlich immer, insbesondere sind wir beide sehr empathische Menschen, und wir waren füreinander da, wenn wir uns brauchten.
Das Projekt entwickelte sich an sich prächtig, aber auch die Hürden wurden größer und größer. Kredit aufnehmen, Zeit schaffen, Abstimmungen, intensive Gespräche und Diskussionen. Und mein Freund ist dabei wirtschaftlich vom Gelingen des Projekts voll abhängig, er ist sozusagen „all in“ gegangen.
Mit den Monaten wurde die Freude und Abenteuerlust belastet durch Uneinigkeiten, Rangeleien um das Rechthaben, finanziellen und zeitlichen Druck.
Bisher haben wir alle Hürden gemeinsam gemeistert, und wir waren stolz darauf. Die Herausforderungen waren wie neue Akkus, die uns weiterbrachten. Wir sahen uns und unseren Weg bestätigt und unsere Freundschaft fester denn je.
Vor dem Start des Projekts sahen wir beide das Risiko, dass unsere Freundschaft belastet werden kann und wir schworen uns, auf sie besonders gut aufzupassen, weil sie uns das Wichtigste ist. Wir wurden gewarnt, dass Freundschaften nicht mit Geschäft belastet werden sollen, aber wir waren uns sicher, dass wir das Projekt zusammen stemmen können, ohne das die Freunschaft Schaden nimmt.
Heute komme ich aus einem 2-stündigen Krisentelefonat mit meinem Freund. Das Telefonat war dringend notwendig, nachdem wir uns in den vergangenen Wochen mehrere blitzige E-Mails geschickt haben, in denen wir uns – zugegeben – lieber missverstehen als verstehen wollten. Wir stehen beide unter Druck. Wir fühlen uns beide nicht gesehen und unsere Leistungen nicht wertgeschätzt. Wir erwarten beide vom Anderen.
Das Produkt ist fertig entwickelt und möchte nun an die „Luft“, die Vermarktung steht an. Vielleicht entlädt sich gerade nur der Druck der intensiven letzten Monate. Vielleicht braucht es dieser Zäsur, die wir beide als solche empfinden. Vielleicht ist es auch ein Punkt, an dem wir beide erkennen müssen, dass es zum Schutz der Freundschaft nicht weitergeht. Aber selbst wenn dieser Punkt erreicht wäre, was ich nicht hoffe, dann könnte ich den Freund, für den es um alles geht, gerade jetzt nicht im Stich lassen.
Mir wurde bewusst, wie unterschiedlich das Zusammensein als Freunde privat und im Projekt sein kann. Offene Gespräche und Zuhören weichen einem ständigen inhaltlichen Austausch. Auf einmal spielen Begehrlichkeiten eine Rolle, ebenso der Stolz (der ganz besonders). Eigene Schwächen können nicht mehr so leicht angesprochen werden, insbesondere auch weil sie den Erfolg gefährden und die Umsetzung verzögern.
In den vergangenen Wochen ist unsere sonnige Entdeckungsreise zu einer stürmischen Eskapade geworden. Natürlich gehören auch solche Phasen dazu. Aber das Gefühl hat sich bei uns beiden geändert. Und in wenigen ruhigen Momenten hatte ich die ernsthafte Sorge, wir opfern unsere Freundschaft für den Erfolg. Ich bin mir sicher, dass wir uns das später nicht verzeihen würden. Aber die Hitze des Gefechts lässt die Sinne vernebeln und den Blick starr werden.
Ich stehe vor einer schwierigen Frage: kann ich in Anbetracht der gefühlten Gefahr für unsere Freundschaft überhaupt noch Spaß am Projekt haben und mich darin entfalten, oder hängt ab jetzt nicht ein riesiges Damoklesschwert über unserer Freunschaft. Und wenn ich Reife zeigen würde, und mich aus dem Projekt rausnehme, um die Freundschaft zu bewahren, dann lasse ich meinen Freund eigentlich im Stich. Und beste Freunde lassen sich eigentlich nicht im Stich.
Und ich höre gedanklich die Stimme eines Vertrauten, der mir flüstert: „Ich habe es Dir doch gesagt“.
Es wird nicht leicht werden für uns, die Situation zum Guten aufzulösen. Wir müssen sicherlich zugeben, dass wir die Freundschaft bereits aufs Spiel setzten, als wir mutig den Entschluss fassten, das Projekt zu starten, einfach weil wir die Gefahren zu diesem Zeitpunkt noch nicht erkennen konnten.
Ich muss mir aber auch eingestehen, dass ich damals schon wusste, dass es für meinen Freund um Alles gehen wird. Ich konnte auch sehen, dass dies eine erhebliche Dynamik erzeugen wird, die ich aber als konstruktiv ansah. Den Druck der Umstände habe ich damals nicht erkannt und so wiegt da schon eine Schuld bei mir, leichtfertig mit der mir so wichtigen Freundschaft gewesen zu sein.
Wir Menschen sind doch sehr wankelmütig. Wir sagen heute das eine und halten uns morgen schon nicht mehr daran. Wir sehen in die Zukunft das Positive, lassen uns berauschen, ohne auch alle Nachteile und Gefahren zu bedenken und richtig zu gewichten. Und dann beschweren wir uns und fangen das Beten an, dass uns geholfen wird in der Not. Der, der uns geschaffen hat, mag doch manchmal an uns verzweifeln.
Have you ever worked on a business project with a (very) good friend?
My best friend and I launched our joint project 12 months ago with tremendous enthusiasm. Up until then, we’d always got on really well – in particular, we’re both very empathetic people, and we were always there for each other when we needed one another.
The project itself was going splendidly, but the hurdles were also getting bigger and bigger. Taking out loans, finding the time, coordinating, and having intense conversations and discussions. And my friend is completely dependent on the project’s success financially; he’s gone ‘all in’, so to speak.
As the months went by, our joy and sense of adventure were weighed down by disagreements, squabbles over who was right, and financial and time pressures.
Up until then, we’d overcome every hurdle together, and we were proud of that. The challenges were like fresh batteries that propelled us forward. We felt validated in our choices and our path, and our friendship was stronger than ever.
Before the project began, we both recognised the risk that our friendship might come under strain, and we vowed to take particular care of it, because it is the most important thing to us. We were warned that friendships shouldn’t be burdened by business, but we were certain that we could manage the project together without damaging our friendship.
Today I’ve just come off a two-hour crisis phone call with my friend. The call was urgently needed after we’d exchanged several heated emails over the past few weeks, in which – admittedly – we seemed more intent on misunderstanding each other than on understanding one another. We’re both under pressure. We both feel overlooked and that our contributions aren’t being valued. We’re both expecting too much from the other.
The product has been fully developed and is now ready to be launched; the marketing campaign is due to start. Perhaps it’s just the pressure of the intense past few months finally easing off. Perhaps we need this turning point, which we both perceive as such. Perhaps it’s also a point at which we both have to realise that, to protect our friendship, things can’t go on like this. But even if we’d reached that point – which I hope we haven’t – I couldn’t let down the friend for whom everything is at stake, especially now.
I realised just how different it can be to spend time together as friends in private compared to working on a project. Open conversations and listening give way to a constant exchange of ideas. Suddenly, personal desires come into play, as does pride (especially that). It’s no longer so easy to address one’s own weaknesses, particularly because they jeopardise success and delay implementation.
Over the past few weeks, our sunny journey of discovery has turned into a stormy escapade. Of course, phases like this are part and parcel of the process. But the way we both feel has changed. And in a few quiet moments, I’ve had serious concerns that we’re sacrificing our friendship for the sake of success. I’m sure we wouldn’t forgive ourselves for that later on. But the heat of the moment clouds the senses and narrows one’s perspective.
I’m faced with a difficult question: given the perceived threat to our friendship, can I still enjoy the project and flourish within it, or is there now a huge sword of Damocles hanging over our friendship? And if I were to show maturity and step back from the project to preserve our friendship, then I’d actually be letting my friend down. And best friends aren’t supposed to let each other down.
And in my mind, I can hear the voice of a close friend whispering to me: ‘I told you so’.
It won’t be easy for us to resolve the situation for the better. We certainly have to admit that we had already put our friendship at risk when we courageously decided to launch the project, simply because we were unable to recognise the dangers at that point.
However, I must also admit to myself that I knew even back then that everything would be at stake for my friend. I could also see that this would create considerable momentum, which I regarded as constructive. I did not recognise the pressure of the circumstances at the time, and so I do feel a sense of guilt for having been reckless with a friendship that was so important to me.
We humans are, after all, very fickle. We say one thing today and fail to stick to it by tomorrow. We see the positive in the future, let ourselves get carried away, without even considering all the disadvantages and dangers and weighing them up properly. And then we complain and start praying that we’ll be helped in our time of need. The One who created us must sometimes despair of us.
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