Acting break
04.05.2026
Zu meiner ursprünglichen Zufriedenheit wuchs in den vergangenen Wochen die Zahl derjenigen, die meine Beiträge lasen, von „niemand“ auf „ein paar verierte Seelen“. Zu meiner Unzufriedenheit merkte ich, dass ich mich genau darauf konzentriert habe und täglich die Statistiken checkte. Zeit für eine Pause, dachte ich mir. Mein Ziel mit diesem Blog war es, etwas für mich zu machen, einen inneren, transparenten Dialog zu haben. Ich brauchte das, deswegen dieser Blog hier. Wenn ich aber nicht mehr auf mein Inneres, sondern auf Klick-Zahlen schaue, dann kann ich es auch lassen. Mittlerweile, nach mehreren Tagen Pause, fühle ich mich ein Stück weit von dem Drang zu Gefallen und Anerkennung von außen zu erhalten, mehr befreit. Es kann also weitergehen, vorläufig.
To my initial satisfaction, the number of people reading my posts has grown over the past few weeks from ‘nobody’ to ‘a few lost souls’. To my dissatisfaction, I realised that I had become fixated on this and was checking the statistics every day. Time for a break, I thought to myself. My aim with this blog was to do something for myself, to have an inner, transparent dialogue. I needed that, which is why this blog exists. But if I’m no longer looking inwards but at click counts, then I might as well give it up. Now, after a few days’ break, I feel somewhat freer from the urge to seek approval and recognition from outside. So I can carry on, for the time being.
Andererseits habe ich das Schreiben hier vermisst. Ich merke, es ist ein Teil von mir geworden. Nicht wegen dem „Außen“. Es hilft mir, mich zu regulieren und zu reflektieren, ohne dabei zu grübeln. Das Schreiben ist wie eine leise Stimme, die weder schreit noch schweigt. Sie ist wie eine Moderation meines Alltags aus dem „Off“. Sie lässt mich weniger allein fühlen.
On the other hand, I’ve missed writing here. I realise it’s become a part of me. Not because of the ‘outside world’. It helps me to find my balance and reflect without getting bogged down in my thoughts.
Ich habe die vergangenen Tage damit verbracht, einen Schauspielkurs für Theater und Film zu belegen. Nicht, weil ich mir trotz meines vorangeschrittenen Alterns noch eine Karriere als Schauspieler erhoffte (edit: doch, ein Teil von mir hoffte es doch!), sondern weil ich die Vorstellung hatte, über das Schauspielern, also das Spielen von Rollen, meine Gefühle besser ausdrücken zu können. So wie die Leute kostümiert an „Karneval“ meinen, sich daneben benehmen zu können, weil die verkleidete Person nicht sie sind, so dachte ich mir, dass ich in einer gespielten Rolle die Dinge rauslassen kann und darf, die ich mir bisher nicht erlaubt habe.
Es hat mir unglaublich viel Spaß gemacht und ich werde es wiederholen bzw. einen Anschlusskurs buchen. Ich spielte einen erbarmungslosen Killer in einem Macht-Dialog mit seiner damaligen Frau, die ihn verlassen hat. Er drohte, war zynisch, eiskalt, bedrohlich.
Ich durfte für einen kurzen Moment jemand sein, der wahrlich kein „Nice Guy“ ist, und ich muss sagen, es war überwältigend. Nicht, als Bösewicht wahrgenommen zu werden, sondern zur Rolle passende Gefühle in mir zu erzeugen und SIE DANN AUCH ZU LEBEN, rauszulassen. Keine Maske, kein Mr. Charming, sondern ein Ekel, zu 100 % ungeschönt.
I’ve spent the last few days taking an acting course for theatre and film. Not because, despite my advancing age, I was still hoping for a career as an actor (edit: actually, part of me was hoping for it!), but because I had the idea that acting – that is, playing roles – would help me express my feelings better. Just as people in fancy dress at ‘Carnival’ think they can behave badly because the person in the costume isn’t really them, I thought that in a fictional role I could and would be allowed to let out the things I hadn’t allowed myself to do before.
I had an absolute blast and I’ll definitely do it again – or book a follow-up course. I played a ruthless killer in a power struggle with his ex-wife, who had left him. He was threatening, cynical, ice-cold, menacing.
For a brief moment, I was allowed to be someone who is truly no ‘nice guy’, and I have to say, it was overwhelming. Not being perceived as a villain, but generating feelings within myself that suited the role and THEN ACTING ON THEM, letting them out. No mask, no Mr Charming, but a repulsive character, 100% unvarnished.
Und dann dachte ich an Epiktet. „Bedenke: Du bist Darsteller eines Stücks, dessen Charakter der Autor bestimmt, und zwar eines kurzen, wenn er es kurz, eines langen, wenn er es lang wünscht. Will er, dass du ein Bettler darstellst, so spiele auch diesen einfühlend; ein Gleiches gilt für einen Krüppel, einen Herrscher oder einen gewöhnlichen Menschen. Deine Aufgabe ist es nur, die dir zugeteilte Rolle gut zu spielen; sie auszuwählen, steht einem anderen zu“ – Handbüchlein der Moral, Ziffer 17.
Das Zitat macht seit vergangenem Wochenende noch mehr Sinn für mich. Zu bedenken ist dabei nur, dass die Rolle als „Nicy Guy“ keine auferlegte Rolle ist. Die wahre Rolle liegt verborgen dahinter. Sie zu finden ist die konkrete Aufgabe.
And then I thought of Epictetus. “Consider this: you are an actor in a play whose character is determined by the author – a short one if he wishes it to be short, a long one if he wishes it to be long. If he wants you to play a beggar, then play that role with feeling; the same applies to a cripple, a ruler or an ordinary person. Your task is simply to play the part assigned to you well; it is for another to choose it” – Manual of Ethics, Section 17.
Since last weekend, this quote has made even more sense to me. The only thing to bear in mind is that the role of the ‘Nice Guy’ is not an imposed role. The true role lies hidden behind it. Finding it is the specific task.
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