Bruder Lorenz

brother Lorenz

10.04.2026

Wir als moderne Menschen scheinen zum Unglücklichsein bestimmt zu sein. Trotz unendlicher Ratgeber und einem riesigen Markt für Selbsterfahrung und -entfaltung scheinen wir immer unglücklicher zu werden.

Daran mögen die heutige Zeit und die gravierenden Weltkonflikte ihre Mitschuld haben. Wir leben in schwierigen, unsicheren Zeiten. In meinem eigenen Leben in Deutschland fühle ich zum ersten Mal das Risiko von Krieg (welch ein Luxus im Vergleich zu anderen Menschen). Und dabei betreffen mich die globalen Konflikte eigentlich gar nicht, außer dass ich höhere Preise (Öl, Gas, etc.) und panische Berichterstattungen zu ertragen habe. Medien verfolge ich fast nicht mehr, und mit dem Auto fahre ich auch nicht viel zur Zeit. Also könnten mir die globalen Spannnungen persönlich eigentlich ziemlich egal sein.

Der Grund, warum ich dennoch leide, so meine Beobachtung, liegt in mir selbst. In Zeiten, in denen alles möglich ist, Selbsterfüllung eine Pflichtung und Nichterreichen der Selbsterfüllung als Versagen verstanden wird, sind wir uns noch mehr unser größter Kritiker als in früheren Zeiten. Wir fühlen uns zu kurz gekommen, ohnmächtig, überholt, verraten. Wir haben keine Zeit mehr für tiefe Freundschaften, alles wird auf den Prüfstand gestellt, die Selbstoptimierung wird an erste Stelle gestellt. Der neue Job ist mies, und so suche ich nach 4 Monaten bereits eine neue Stelle, die noch mieser ist. Die Eigenarten des Partners nerven immer mehr, und so suchen wir uns einen neuen Partner, dessen Eigenarten uns noch früher noch mehr nerven. Eigentlich leben wir in einsamen und selbstbezogenen Zeiten. Und so fühlt es sich für mich auch an.

Wie altmodisch und aus der Zeit gefallen wirkt dagegen die Geschichte von Bruder Lorenz, geb. 1614 in Lunéville, Frankreich, Laienbruder bei den „Unbeschuhten Kamelitern“:

Bruder Lorenz wollte bei dem Ordern der Kamliter als junger Laienbruder studieren, musste anstelle dessen aber die niedrigsten Arbeiten für die Mönche erledigen. Bei einer der Verrichtungen, er fegte im Herbst das Laub der Bäume zusammen, hatte er eine „göttliche Eingebung“: er sah den nackten Baum frei von Blättern und dachte an den nächsten Frühling und daran, dass der Baum wieder volle Blätter tragen würde (so „einfache“ Feststellungen würde heute wohl niemand mehr als solche wahrnehmen). Sein Lebensmotiv war seitdem, die beständige göttliche Gegenwart zu erspüren und zu erfahren. Bruder Lorenz wollte alle Tätigkeiten aus Liebe zu Gott verrichten und ihm zu Diensten sein. „Gott braucht nichts; Gott hat mich nur für sich geschaffen; ich werde alles für alles geben und so leben, als gäbe es nur Gott und mich; ich möchte nichts tun, was Gott missfällt, ich möchte, dass alles, was ich tue, Gott gefällt; darum werde ich alles, was ich zu tun habe, aus Liebe zu Gott machen.“ So verblassten Selbstzweifel, Unsicherheit und Leiden, die er auch kannte. Nach dem Noviziat erhielt er die Aufgabe als Koch für die etwa 100 Personen des Klosters. Diese Tätigkeit übte er 15 Jahre lang aus, obwohl er sie nicht sonderlich mochte. Deshalb betete er vor, während und nach der Arbeit. Ein Gebet lautete: „Mein Gott, da du bei mir bist und ich meinen Geist auf deine Anordnung hin äußeren Dingen zuwenden muss, bitte ich dich um die Gnade, während dieser Aufgabe bei dir bleiben zu können und dir Gesellschaft zu leisten, und damit alles zum Besten verläuft, mein Herr, arbeite bitte mit mir zusammen, nimm meine Arbeit an und akzeptiere all meine Zuneigung.“

Was möchte ich uns mit dem Beispiel von Bruder Lorenz sagen?

  1. Wir brauchen einen (ständigen) Kontakt zu einer spirituellen Quelle (egal die Quelle ein Gott oder eine transzentrale Energie ist). Wir brauchen sie, damit wir eine Haltung einnehmen, dass es auf dieser Welt etwas höheres als uns gibt. Wir bilden uns ein, wir können unsere Probleme allein und durch menschliche Logik lösen, aber wir können es nicht.
  2. Durch den Kontakt zur spirituellen Quelle lernen wir wieder, demütigt zu sein. Demut fehlt in der heutigen Zeit am allermeisten und sie ist m.E. ein wesentlicher Bestandteil, um glücklicher zu sein.
  3. Wir müssen akzeptieren, dass wir in diesem Leben keinen Nobel-Preis mehr erlangen oder Präsident eines Landes werden. Wir alle sind vollkommen normale Menschen und wir werden am Ende unseres Leben allesamt vollkommen normale Dinge erreicht haben. Warum glauben wir also weiterhin, wir könnten durch eigenen Glauben alles erreichen, wenn wir es nur genug möchten.

Das Leben von Bruder Lorenz würde heute wohl niemand mehr führen (wollen). Wir würden es nicht mehr ertragen, derart zu kurz zu kommen im eigenen Leben.

Dabei gibt uns sein Leben und seine Einstellung eine Antwort: Demut, Einfachheit, spirituelle Verbindung als höchstes Gut, können uns ein Leben mit viel mehr Glück, Zufriedenheit und weniger Leid und Schmerz bereiten.

Wollen wir weiterhin leiden und darauf warten, dass in 30 Jahren irgendjemand unsere Einzigartigkeit endeckt und uns in das Leben befördert, von dem wir immer geträumt haben? Oder wollen wir versuchen, unser aktuelles Leben besser, einfacher, sinnvoller zu machen?

Die Geschichte von Bruder Lorenz mag unpopulär sein. Aber denkt beim nächsten nervenden Familienessen, beim nächsten nervenden Meeting, bei der nächsten ungerechten Behandlung mal an Bruder Lorenz und daran, dass er studieren wollte, undankbare Arbeiten verrichten musste, und darin – oh Wunder – seine Selbsterfüllung fand. Nicht in einem prall gefüllten Konto, nicht in der 89.ten Partnerin, nicht in dem Traumjob.

Gerade wir Männer brauchen diese spirituelle Exklusivität, wie Lorenz sie zu Gott gefunden hatte. Wir brauchen sie, um Sinn zu finden, um den Stürmen zu trotzen, und um aus dieser miesen Welt da draußen innerlich auszusteigen.

Zum Schluss ein kleiner Tipp: probiert für den inneren Kontakt zur spirituellen Quelle doch mal das sog. „Hu-chen“. Wenn ihr über ein Problem nachdenkt oder euch mies fühlt, atmet langsam aus und lasst dabei einen langen „Huuuuuuuuuu“-Laut (ähnlich wie ein Ohhhhm) aus, für ca. 4-5 Sekunden. Wiederholt das 4-6 mal. Gab es eine kleine Beruhigung, eine Idee, einen neuen Gedanken? Falls ja, dann hattet Ihr Kontakt zur Quelle. Falls nicht, wiederholt es. Das „Hu-chen“ beruhigt das Nervensystem und lässt neue Gedanken zu, wenn wir im Kreis drehen.

We modern people seem destined to be unhappy. Despite endless self-help guides and a huge market for self-awareness and personal development, we seem to be growing ever more unhappy.

The current climate and the serious global conflicts may well share some of the blame for this. We live in difficult, uncertain times. In my own life in Germany, I feel the risk of war for the first time (what a luxury compared to other people). And yet the global conflicts don’t really affect me at all, apart from having to put up with higher prices (oil, gas, etc.) and alarmist reporting. I hardly follow the media anymore, and I don’t drive much at the moment either. So, personally, I could actually be quite indifferent to global tensions.

The reason why I nevertheless suffer, as I observe it, lies within myself. In times when anything is possible, when self-fulfilment is seen as a duty and failing to achieve it as a failure, we are even more our own harshest critics than in times past. We feel short-changed, powerless, left behind, betrayed. We no longer have time for deep friendships; everything is put to the test, and self-improvement takes priority. The new job is rubbish, so after four months I’m already looking for a new one that’s even worse.

Our partner’s quirks start to get on our nerves more and more, so we look for a new partner whose quirks get on our nerves even sooner and even more. We actually live in lonely and self-centred times. And that is exactly how it feels to me.

How old-fashioned and out of step with the times, by contrast, is the story of Brother Lorenz, born in 1614 in Lunéville, France, a lay brother with the ‘Discalced Carmelites’:

Brother Lorenz had intended to study as a young lay brother in the Camaldolese Order, but instead found himself doing the menial tasks for the monks. Whilst performing one of these tasks – sweeping up the autumn leaves from the trees – he had a ‘divine inspiration’: he saw the bare tree, stripped of its leaves, and thought of the coming spring and how the tree would once again be covered in leaves (such ‘simple’ observations would probably no longer be perceived as such today). From then on, his life’s purpose was to sense and experience the constant divine presence. Brother Lorenzo wished to perform all his duties out of love for God and to be at his service. “God needs nothing; God created me solely for himself; I will give everything for everything and live as if there were only God and me; I wish to do nothing that displeases God; I wish that everything I do may please God; therefore, I will do everything I have to do out of love for God.” Thus, the self-doubt, insecurity and suffering that he too had known began to fade. After his novitiate, he was given the task of cooking for the monastery’s approximately 100 residents. He carried out this work for 15 years, even though he did not particularly enjoy it. That is why he prayed before, during and after work. One prayer went:

“My God, since you are with me and I must, at your command, turn my mind to external matters, I ask you for the grace to remain with you and keep you company whilst carrying out this task; and so that all may go well, my Lord, please work with me, accept my work, and receive all my devotion.”

What am I trying to say with the example of Brother Lorenz?

We need a (constant) connection to a spiritual source (whether that source is God or a transcendent energy). We need this so that we can adopt the attitude that there is something higher than ourselves in this world. We delude ourselves into thinking we can solve our problems alone and through human logic, but we cannot.

Through contact with the spiritual source, we learn once again to be humble. Humility is what is most lacking in today’s world, and in my view, it is an essential component of being happier.

We must accept that in this life we will not win a Nobel Prize or become president of a country. We are all perfectly ordinary people, and by the end of our lives we will all have achieved perfectly ordinary things. So why do we continue to believe that we can achieve anything through our own faith, if only we want it enough?

Hardly anyone today would (want to) lead a life like Brother Lorenz’s. We would no longer be able to bear being so deprived in our own lives.

Yet his life and his attitude provide us with an answer: humility, simplicity, and spiritual connection as the highest good can bring us a life with far more happiness and contentment, and less suffering and pain.

uniqueness in 30 years’ time and propel us into the life we’ve always dreamed of? Or do we want to try to make our current lives better, simpler, and more meaningful?

The story of Brother Lorenz may be unpopular. But at the next annoying family dinner, the next tedious meeting, the next instance of unfair treatment, spare a thought for Brother Lorenz and the fact that he wanted to study, had to do thankless work, and found – oh wonder – self-fulfilment in it. Not in a bulging bank balance, not in his 89th partner, not in the dream job.

We men, in particular, need this spiritual exclusivity, just as Lorenz found it in God. We need it to find meaning, to weather the storms, and to step away from this rotten world out there in our hearts.

Finally, a little tip: why not try the so-called “Hu-chen” to connect with your inner spiritual source? When you’re thinking about a problem or feeling down, breathe out slowly and let out a long “Huuuuuuuuuu” sound (similar to an “Ohhhhm”) for about 4–5 seconds. Repeat this 4–6 times. Did you feel a little calmer, or did an idea or a new thought come to mind? If so, you’ve made contact with the source. If not, repeat it. The “Hu-chen” calms the nervous system and allows new thoughts to emerge when we go round in circles.

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