Neid ist eine Aufgabe an uns selbst

Envy is a challenge we set ourselves

18.03.2026

Habt Ihr auch Personen in Eurem Umfeld, die Euch Eurer Glück, Euren Status, Euren Besitz, Euren Erfolg oder auch einfach Eure freundliche Art nicht gönnen?

Ich habe so einen Neider in meinem Umfeld. Und ehrlich gesagt gibt es auch hin und wieder Personen, auf die ich neidisch bin.

Neid ist ein schwieriges, unangenehmes Gefühl, weil es bei unseren Schwächen ansetzt und sie im Brennglas offenlegt. Wir vergleichen uns und ziehen dabei stets den Kürzeren. Die Welt wird dann schnell ungerecht und wir wünschen dem Beneideten alles an den Hals. Neid fühlt sich für uns schlimmer an als Wut, weil er uns noch kleiner im Selbst werden lässt. Wir reduzieren uns selbst auf die Größe eines Sandkorns und erheben den Beneideten zu einer Gottheit; vollkommen unterbewusst und in Sekundenschnelle.

Der Umgang mit meinem eigenen Neid ist für mich ähnlich schwierig wie mit Neidern. Meinen eigenen Neid konnte ich nie offen ansprechen, dafür war meine Scham zu groß. Und fremden Neid auf mich habe ich meilenweit gegen den Wind gerochen und bin dann stets in eine unterwürfige Position gegangen, um den Neider zu besänftigen, so dass er seine Wut nicht an mir auslasse.

Neider sind passiv-agressiv. Sie können einfach nicht von Herzen gönnen. Selbst Lob des Neiders ist mit Kritik und dem Bemühen der Abwertung verbunden . Dahinter steckt die Ansicht, im eigenen Leben zu kurz gekommen zu sein.

Mein Neider beobachtet mich und er wartet auf Fehler, an denen er sich hochziehen kann. Und ich, weil ich dem Neider keine Genugtuung geben wollte, habe immer alles versucht, damit keine Fehler passieren. Und so fühlte sich in unserer Beziehung immer einer von beiden schlecht: hatte ich Erfolg, dann fühlte ich einerseits so etwas wie Genugtuung ihm gegenüber, dafür drohte mir aber auch Ungemach, weil er daran litt. Und beging ich Fehler, dann war es seine Genugtuung, unter der ich dann litt.

Beziehungen können schädlich bis toxisch sein. Es fragt sich, weshalb solche Konstellationen über Jahre hinweg aufrecht erhalten werden. Es liegt meines Erachtes daran, dass wir das Spiel für uns annehmen. Wir sagen uns: Du tust mir Unrecht, indem du neidisch bist, und das schmerzt mich. Deswegen zeige ich dir jetzt einmal, was Schmerz ist und lasse Dich ebenfalls leiden. Wir übersehen dabei aber, dass der Neider derjenige ist, der im Ausgangspunkt gelitten hat.

Wie geht man nun mit eigenem Neid und Neidern um? Auf Beides gibt Epiktet eine Antwort: Neid heißt Begehren und Begehren heißt Unglück. Wir müssen aufhören zu begehren, was gegen die Natur ist und was wir eigentlich begehren sollten (innere Freiheit), davon haben wir oftmals keinen rechten Begriff.

Wir machen uns unfrei, wenn wir Dinge begehren, die nicht in uns selbst liegen. Bewerte den anderen nicht nach dem, was Du neidest. Du neidest nicht ihn in Person, sondern „nur“ seinen Besitz oder Erfolg. Schau dir an, welchen Preis der andere dafür bezahlt hat. Willst Du das auch? Willst Du diesen Preis zahlen? Falls ja, so tue es selbst. Falls nicht, so finde dich damit ab, dass du auf etwas neidisch bist, zu dem Du aber nicht bereit bist den Preis zu zahlen, und las es los.

Und was kann ich mir davon kaufen, wenn andere auf mich neidisch sind? Wieviel Wert hat fremder Neid für mich? Wie hoch ist der Preis, den ich zu zahlen habe dafür, dass andere neidisch auf mich sind und wie abhängig mache ich mich von den anderen, wenn es mir nur darauf ankommt, deren Neid zu erhalten. Die andere Person kann mir binnen Sekunde ihren Neid entziehen, auf den ich aus bin, und all meine Bemühungen und Anstrengungen, die nicht mir selbst galten, sondern dem Anderen, waren umsonst. Ist das nicht eine unglaubliche Verschwendung an eigener Lebenszeit, die wir für die Erreichung von eigenen Bedürfnisse und Ziele einsetzen könnten?

Wenn Du das nächste mal neidisch bist und für dich erwogen hast, den Preis zahlen zu wollen, so frag den Beneideten, wie er es angestellt hat, ansonsten schweig. Und wenn du das nächste mal auf Genugtuung und fremden Neid aus bist, so frag dich, wie hoch der Preis ist, und ob du dadurch wirklich glücklicher wirst, wenn du all deine Kraft investierst, um die Genugtuung zu bekommen.

Neid ist keine Charakterschwäche, es ist eine Aufgabe an uns selbst. Und ich, der sich gern im Neid der anderen gebadet hat, gestehe mir ein, dass dieses von mir inszenierte Theaterstück in jeder Hinsicht zu meinem eigenen Nachteil war. Mein Neider hat schlichtweg seine eigene Aufgabe im Umgang mit sich selbst nicht bestanden und ich kann unter diesem Blinkwinkel im Ansatz keine Genugtuung mehr für mich erkennen.

Do you also have people in your circle who begrudge you your happiness, your status, your possessions, your success, or even just your friendly nature?

I have someone like that in my circle. And to be honest, there are also people I feel envious of from time to time.

Envy is a difficult, unpleasant feeling because it preys on our weaknesses and lays them bare under a magnifying glass. We compare ourselves and always come off worse. The world then quickly seems unfair and we wish the envied person all sorts of misfortune. Envy feels worse to us than anger because it makes us feel even smaller within ourselves. We reduce ourselves to the size of a grain of sand and elevate the object of our envy to the status of a deity; completely subconsciously and in a matter of seconds.

Dealing with my own envy is just as difficult for me as dealing with envious people. I have never been able to address my own envy openly; my shame was too great for that. And I could smell others’ envy of me a mile off, and would then always assume a submissive position to appease the envious person, so that they would not take their anger out on me.

Envious people are passive-aggressive. They simply cannot be genuinely happy for others. Even praise from the envious person is laced with criticism and an attempt to belittle. Behind this lies the belief that they have been short-changed in their own lives.

My envious friend watches me and waits for mistakes he can use to his advantage. And I, not wanting to give him any satisfaction, always did everything I could to ensure no mistakes were made. And so, in our relationship, one of us always felt bad: if I succeeded, on the one hand I felt a sense of satisfaction towards him, but on the other hand I faced trouble because he suffered as a result. And if I made mistakes, it was his satisfaction that I then suffered under.

Relationships can be harmful or even toxic. The question is why such dynamics are maintained over the years. In my view, it is because we accept the game on our own terms. We tell ourselves: You are wronging me by being envious, and that hurts me. That is why I will now show you what pain is and make you suffer too. In doing so, however, we overlook the fact that the envious person is the one who suffered in the first place.

So how does one deal with one’s own envy and with envious people? Epictetus provides an answer to both: envy means desire, and desire means unhappiness. We must stop desiring what is against nature, and as for what we should actually desire (inner freedom), we often have no real grasp of it.

We rob ourselves of our freedom when we covet things that do not lie within ourselves. Do not judge others by what you envy. You do not envy them as people, but ‘only’ their possessions or success. Look at the price the other person has paid for it. Do you want that too? Are you willing to pay that price? If so, go ahead and do it yourself. If not, accept that you are envious of something for which you are not prepared to pay the price, and let it go.

And what can I gain from it if others are envious of me? How much is someone else’s envy worth to me? How high is the price I have to pay for others to be envious of me, and how dependent do I make myself on others if all I care about is maintaining their envy? The other person can withdraw their envy – which I am after – in a matter of seconds, and all my efforts and exertions, which were not directed at myself but at the other person, will have been in vain. Isn’t that an incredible waste of one’s own lifetime, which we could be using to fulfil our own needs and goals?

The next time you feel envious and have considered paying the price for it, ask the person you envy how they managed it; otherwise, keep quiet. And the next time you are seeking satisfaction and the envy of others, ask yourself what the price is, and whether you will truly be happier by investing all your energy in seeking that satisfaction.

Envy is not a weakness of character; it is a challenge we set ourselves. And I, who used to revel in the envy of others, admit to myself that this charade I staged was, in every respect, to my own detriment. My envious friend has simply failed to meet the challenge of dealing with itself, and from this perspective, I can no longer see any satisfaction in it whatsoever.

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