Eine gute, alte Freundin

A good, old friend

10.03.2026

Um meinen Blog vom 09.03. zum Thema „Freundschaften“ zu erweitern, greife ich heute eine alte, tiefe Freundschaft zu einer weiblichen Person auf. Es gab Zeiten, da verstehten wir uns blind, regten uns an, inspirierten uns, waren uns nah und konnten diese Nähe mühelos halten. Ich möchte fast sagen, wir haben uns seelisch gespiegelt. Dann kamen Zeiten, in denen das körperliche, sinnliche Begehren überwog und des drohte großes Ungemach. Wir waren immer noch jung und wussten nicht so recht, was wir tun und aufs Spiel setzen. Gefühle wurden verletzt, Schranken hochgezogen, Spiele gespielt, wir begannen gegeneinander zu kämpfen. Es ging uns, aus meiner Sicht, um Macht. Wer ist der Stärkere von uns beiden? Du wolltest mich „haben“ bzw. „besitzen“. Ich wollte gewinnen, indem ich Dir glaubhaft machen wollte, dass man mich nicht besitzen kann. Aus dem einstigen Tanz wurde Kampf. Und heute, viele viele Jahre später, habe ich immer noch Schuldgefühle, sehe mich als Zerstörer, als Peiniger, vermisse immer noch die vertraute Nähe, den Rückhalt, das blinde Verständnis. Wenn wir uns heutzutage treffen, ist von alldem nicht mehr viel übrig. Halbleere Gespräche, Vermeidung, Erinnerungen an Gutes und Schlechtes. Da ist immer noch das Band, aber das Band ist nicht mehr elastisch, es ist porös und hängt durch.

Ich bin glücklich mit meinem Leben und ich hoffe, sie ist es auch. Ich fühle mich verantwortlich. Oft frage ich mich, wohin es sich entwickelt hätte, wenn ich damals vor meinen Gefühlen nicht weggelaufen wäre. Es sind die verpassten Dinge im Leben, die einen belasten. Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, deinem Anspruch auf mich gewaltlos zu beantworten und unsere Beziehung in ruhigem Fahrwasser vielleicht in eine Partnerschaft gelenkt, in der wir uns hätten zeigen können, was offene, ehrliche und bedingungdlose Nähe und Liebe ist.

Wir haben nie ein offizielles Ende gefunden, uns ausgesprochen oder uns ehrlich verziehen. Wir beide haben unsern Schmerz mit uns selbst ausgemacht. Ich fühle häufig, dass wir uns vergeben sollten. Auch wenn es mir – wie dir auch – auch heute noch schwer fällt, drüber zu sprechen, so tue ich es wenigestens hier in meinem Blog.

Ich verzeihe Dir. Ich weiß, Du handeltest nicht böswillig, aber für mich, für mein „inneres Kind“, kamst du wie ein gegnerischer Panzer auf mich zu und ich wählte die Flucht und den Gegenangriff. Bitte entschuldige, ich wußte nicht, was ich da tue. Leider bin ich so weit geflüchtet, um Deinem Besitzanspruch zu entkommen, bis ich von mir selbst meilenweit entfernt war. Du warst der Auslöser einer nicht endenden Odyssee für mich. Und anders als Odysseus wusste ich lange Zeit auch gar nicht mehr, wo mein Zuhause eigentlich ist, für das es sich lohnt, durchzuhalten und weitergehen. Er hatte wenigestens eine Erinnerung an seine Penelope, an sein Zuhause. Meine See war ohne Hafen.

Ich wurde auf dieser endlosen Reise zu einem Entdecker für mich. Ich betrat Neuland, fand meine Penelope, fand mein Zuhause, fand eine Beziehung mit Vertrauen, auch wenn ich sie manchmal sabotiert habe. Heute fühle ich mich geläutert.

Ich wünsche Dir und Deinem Leben von ganzem Herzen das Allerbeste. Ich wünsche Dir Ankunft, Nähe und Vertrauen. Ich wünsche Dir, dass Du lernst sie zu halten, sie nicht zu überfrachten und zu erdrücken, in ihr zu ruhen. Du bist großartig und so soll Dein Leben sich auch für Dich anfühlen.

Meine Schuldgefühle mögen vielleicht erst dann vollends zur Ruhe kommen, wenn Du Deinen Hafen gefunden hast.

Ich danke Dir für alles, was war. Ich hoffe, ich kann Dir ab heute ein aufrichtiger, verlässlicher und guter Freund sein. Ich habe meine damalige Liebe nicht verloren, ich habe sie zurückgegeben (vgl. Epiktet – Handbüchlein der Moral, Ziffer 11).

To expand on my blog post from 9 March on the topic of ‘friendships’, today I’m going to talk about an old, deep friendship with a female friend. There were times when we understood each other blindly, stimulated and inspired each other, were close and could maintain this closeness effortlessly. I would almost say that we mirrored each other’s souls. Then came times when physical, sensual desire prevailed and great adversity threatened. We were still young and didn’t really know what we were doing and what we were putting at risk. Feelings were hurt, barriers were erected, games were played, and we began to fight each other. From my point of view, it was about power. Who is the stronger of the two of us? You wanted to ‘have’ or ‘possess’ me. I wanted to win by convincing you that you couldn’t possess me. The dance we once shared turned into a fight. And today, many, many years later, I still feel guilty, I see myself as a destroyer, a tormentor, I still miss the familiar closeness, the support, the blind understanding. When we meet today, there is not much left of all that. Half-empty conversations, avoidance, memories of good and bad. The bond is still there, but it is no longer elastic, it is porous and sagging.

I am happy with my life and I hope she is too. I feel responsible. I often wonder where things would have gone if I hadn’t run away from my feelings back then. It’s the things you miss out on in life that weigh you down. I wish I had had the courage to respond to your feelings for me without resorting to violence and perhaps steered our relationship into calmer waters, into a partnership in which we could have shown each other what open, honest and unconditional closeness and love is.

We never found an official end, talked things through or forgave each other honestly. We both dealt with our pain on our own. I often feel that we should forgive each other. Even though I still find it difficult to talk about it today, as you do, I am at least doing so here in my blog.

I forgive you. I know you didn’t mean any harm, but for me, for my ‘inner child’, you came at me like an enemy tank and I chose to flee and counterattack. Please forgive me, I didn’t know what I was doing. Unfortunately, I fled so far to escape your claim of ownership that I ended up miles away from myself. You were the trigger for a never-ending odyssey for me. And unlike Odysseus, for a long time I no longer knew where my home was, the place that was worth persevering for and continuing on to. At least he had memories of his Penelope, of his home. My sea had no harbour.

On this endless journey, I became an explorer of myself. I entered new territory, found my Penelope, found my home, found a relationship based on trust, even if I sometimes sabotaged it. Today, I feel purified.

I wish you and your life all the very best with all my heart. I wish you arrival, closeness and trust. I wish you to learn to hold on to it, not to overload and overwhelm it, to rest in it. You are wonderful and that is how your life should feel to you.

My feelings of guilt may only come to rest completely when you have found your haven.

I thank you for everything that was. I hope that from today onwards I can be a sincere, reliable and good friend to you. I have not lost my love from back then, I have given it back (cf. Epictetus – Enchiridion, section 11).

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